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Vergangenheit blieb ungelöſt, keine Hauptfrage über die Weltenordnung unbeantwortet. Dieſer hohe Grad der Vollendung allein iſt Urſache, daß man die Aſtronomie als die erhabenſte unter allen Natur⸗ wiſſenſchaften auszeichnet, daß man ſie die Königin der Wiſſenſchaften nennt, während ſie an und für ſich nur eine Perle in der gemeinſamen Kette der Naturerſcheinungen bildet, welche im Mikrokosmos nicht weniger als im Makrokosmos durch die ewig unwandelbaren Geſetze ihre Exiſtenz aus der Hand eines Schöpfers beurkunden.
Wenn wir aber nach den Mitteln forſchen, durch welche ſo erſtaunenswerthe Reſultate erzielt wurden, drängen ſich uns beſonders 3 Factoren auf. Vor Allem haben wir die Vollendnng der Theorie und namentlich die höhere Analyſis hervorzuheben, durch welche allein es möglich war, Werke zu ſchaffen, welche ihre Verfaſſer für alle Zeiten an die Spitze der menſchlichen Geiſter ſtellen. An dieſe Heroen der Wiſſenſchaft reihen ſich in würdiger Weiſe eine Menge wohl bekannter Namen an und mit gerechtem Stolze darf ich ſagen, daß gerade unſer Vaterland auf die ehrenvollſte Weiſe vertreten iſt ¹).
Zweitens iſt es Pflicht, jener vortrefflichen Künſtler zu gedenken ²), aus deren Werkſtätte In⸗ ſtrumente hervorgingen, deren Daſein erſt möglich machte, einen tieferen Blick in die Unendlichkeit des Weltalls zu thun, um überall Belege einer einfachen und harmoniſchen Geſetzmäßigkeit aufzufinden.
Endlich haben wir noch die Freigebigkeit hervorzuheben, womit die Regierungen weiſer Fürſten durch Herbeiſchaffung koſtbarer Mittel jene großen auf Privatwegen unmöglich zu beſtreitenden Unter⸗ nehmungen beförderten. Wir erinnern nur an die zahlreichen Expeditionen zur Beſtimmung der Di⸗ menſionen der Erde, an welche ſich die Beobachtung der centralen Sonnenfinſterniß im Sommer 1860 würdig anreiht. Eine Menge Sternwarten wurden neu errichtet und reichlich ausgeſtattet in Europa, Amerika, auf St. Helena und dem Kapland und die Bemühungen der Engländer 5), dieſe Wiſſenſchaft nach Indien zu verpflanzen, wo ſie bereits in hohem Alterthume einen ſo erfreulichen Aufſchwung nahm, werden gewiß nicht ohne alle Früchte bleiben.
Wenden wir uns nun zu dem eigentlichen Gegenſtande dieſer Abhandlung, welche die reichliche Ausbeute der Aſtronomie im 19. Jahrhundert vorführen ſoll, ſo haben wir es bei der Fülle neuent⸗ deckter Wahrheiten und bei den enggezogenen Grenzen dieſer Schrift für angemeſſen gehalten, in gedrängter Darſtellung und mit Verzichtleiſtung auf die reichen Mittel der Rechnung unſere Betrach⸗ tungen auf dieſes Jahrhundert zu beſchränken, früher entdeckte Wahrheiten nur dann erwähnend, wenn ſie des Zuſammenhanges wegen durchaus nothwendig waren.
§. 2. Die Erde.
1. Rotation. Obgleich vor dieſem Jahrhunderte keine directen Beweiſe für die Rotation der Erde exiſtirten, ſo hatte ſich doch das Copernicaniſche Syſtem Bahn gebrochen, denn ſeine einfache Harmonie ließ keinen Zweifel zu und alle ſcheinbar noch ſo gegründeten Einwände mußten vor ſeiner Einfachheit und Schönheit verſtummen. Heute aber ſind dieſe Einwände widerlegt und alle in Beweiſe für die
1) Unglaublich zahlreich ſind die Abhandlungen und Schriften, womit der große Beſſel die Wiſſeenſchaft bereicherte; ihre Namen mit der Angabe des Orts füllen allein einen Band aus.
2) Frauenhofer, Reichenbach, Repſold, Ertel, Piſtor, Plößel, Steinheil, Seidel, Jürgenſen, Keſſels, Tiede ꝛc. ꝛc.
3) John Caldecott und nach ſeinem im Jahre 1852 erfolgtem Tode ſein Nachfolger Broun.


