Geschlechts seien, darüber war ich nun ausser Zweifel. Durch meine Beobachtung bis zum Anfang September 1878 konnte ich also feststellen, dass Tetraneura ulmi L. zum zweitenmal in ein und demselben Jahre als geflügeltes Thier auftritt, welches geschlechtlich getrennte Thiere zeugt, die sich begatten und Eier hinterlassen. Diesen Eiern widmete ich nun von da an meine besondere Aufmerksamkeit. Hierbei fand ich denn bald, dass das weibliche Thier nur ein einziges Ei in sich birgt, was es indess gar nicht ablegt. Nach stattgehabter Begattung begibt sich das Thier vielmehr, je nachdem die Rinde des Stammes beschaffen ist. ob tiefrissig oder nicht. oder je nachdem bei der grossen Menge der Thiere für das einzelne Platz übrig bleibt, in oder an einen Rindenriss, bleibt da sitzen und stirbt nach und nach ab, so dass das Ei vom Mutterkörper umschlossen bleibt und so überwintert. Auch hierzu führe ich noch ein Beobachtungsbeispiel aus meinem Tagebuch an:»Von einem am 23. September aus dem Tannen- wäldchen mitgebrachten Rindenausschnitt, welcher 6 cm lang und 2 cm breit war, löste ich dadurch die Eier ab, dass ich über einem Blatt Papier denselben auf der Innenseite mit einem kleinen Hammer prallend wiederholt anschlug, wodurch 12 Stück auf das Papier niederfielen. Dann knickte ich das Rindenstück je nach den einzelnen Rissen ein und wiederholte das An- klopfen desselben, wobei 29 Eier, welche zum Theil in Klümpchen von 2 bis 4 Stück zusammen- hingen, auf das Papier fielen, also zusammen 41 Stück(gewiss eine grosse Menge von einer so kleinen Fläche, woraus sich auf die ungeheuere Anzahl Eier auf der ganzen Stammoberfläche schliessen lässt). An sämmtlichen Eiern war noch die Thierhaut in der Art, dass ich, wenn ich das Gebilde von der einen Seite ansah, das hellgraue Ei vollständig erkannte, an dessen Umfang sich die Körperhaut des Thieres mit den Beinen und Fühlern als Saum zeigte; von der ent- gegengesetzten Seite, d. h. das Ganze umgewendet, gesehen, war nur der vertrocknete, grau- schwarze Thierkörper mit seinen Leibesringen und Extremitäten zu sehen. Dass man hierbei das Ei nur von der einen Seite sehen kann, erklärt sich daraus, dass die Bauchseite der Körper- haut beim Abklopfen an der Rinde hängen bleibt.— Unter den durch das Klopfen von der Rinde abgefallenen Gegenständen bemerkte ich auch eine Anzahl vertrockneter Thiere, voll- ständig unverletzt, und zwar in der Form der Weibchen. Dieselben sind jedenfalls unbefruchtet geblieben. Ebenso sah ich auch eine nicht geringe Anzahl vertrockneter männlicher Thiere.«
Bis zum 9. September beobachtete ich noch immer neu ankommende geflügelte Thiere und die von denselben abgesetzten Jungen. Von da an musste ich wegen der stattfindenden Naturforscherversammlung meine Beobachtungen im Freien bis zum 16. September unterbrechen, habe dann aber keine lebenden Thiere mehr angetroffen. Nun hätte ich meine neuen Beobach- tungsresultate alsbald veröffentlichen können, indess hielt ich es doch, obgleich ich mich so viel als möglich vor Uebereilung und Täuschungen bei so difficilen Untersuchungen zu sichern ge- sucht hatte, bei der Wichtigkeit der Sache für gerathen, die Resultate des zweiten Jahres zur Bestätigung heranzuziehen.
Alles was ich im Jahr 1878 als neu zu verzeichnen hatte, hat mir das Jahr 1879 be- stätigt, ja es ist noch eine wesentliche Erweiterung hinzugekommen. Die ersten Thiere der zweiten geflügelten Form sah ich am 5. August in der Aue an zwei Stämmchen; von da bis zum 10. August aber keine mehr; erst am 11. und 12. August begann der Hauptflug. In der Aue wanderten die Thiere an jedem Stamm, den ich beobachtete, im Tannenwäldchen dagegen nur an zwei Bäumen. Einer derselben war an der Nordostseite von den Aesten an bis in die Mitte mit einem breiten Streifen von Thieren besetzt; die neu ankommenden kamen von den Zweigen und Aesten her an den oberen Theil des Stammes und schritten über die sich schon da aufhaltenden hinweg, so dass sich der Thierschwarm von der Mitte des Stammes aus immer


