Aufsatz 
Neue Beobachtungen und Entdeckungen an den auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten / von Hermann Kessler
Entstehung
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Zu diesem Zwecke schnitt ich einige Rindenstücke ab und nahm sie mit nach Haus. Dieselben waren mit einer Menge noch gebärender oder im Absterben begriffener, geflügelter und mit einer weit grösseren Anzahl ungeflügelter Thiere besetzt. Ich legte die Rindenstücke auf nassen Sand in einen flachen Teller. um sie durch die Feuchtigkeit annähernd im natürlichen Zustande zu erhalten. Die ungeflügelten Thiere wanderten nun theils auf der Oberfläche umher, theils sassen sie, und zwar vorzugsweise in den Rindenrissen und schienen da zu saugen. Unter den umherlaufenden bemerkte ich am 12. August zum ersteumal drei grössere, auf welchen je ein kleineres hockte, was in jeder Stellung des ersteren auf demselben hängen blieb, eine Beobach- tung, welche ich von da an noch oft gemacht habe. Indess wurde die Anzahl der Thiere auf den Rindenstücken immer kleiner; am 14. August, also nach 4 Tagen waren dieselben au einem Rindenstück sogar schon alle verschwundeu. Ich konnte mir dies um so weniger er- klären, als ich, veranlasst durch das allmählige Verschwinden, wiederholt an den Rindenstücken nachsah, ob die Thiere ihren bisherigen Aufenthaltsort verliessen und sich dann anderswohin begeben würden; aber keins derselben ging, wenn es an den Rand kam, über denselben hinaus, sondern kehrte wieder um. Auch an frisch geschnittenen Stücken machte ich diese letztere Beobachtung. Ich untersuchte deshalb eins derselben genauer unter der Loupe. Da bemerkte ich dann, dass die Thiere in Menge theils am Rande, theils in den Rindenrissen selbst sassen und todt waren. Hier und da lagen zwischen denselben auch braungelbe Körperchen, welche Eigestult hatten. Dieselben Beobachtungen machte ich nun auch nicht nur bei der Untersuchung der übrigen Rindenstücke an diesen, sondern auch an der Rinde der Ulmenstämme im Freien selbst.

Von den noch lebenden Thieren untersuchte ich eine Anzahl auf den Schnabel, keins derselben war aber mit einem solchen versehen; die oben erwähnten ruhig sitzenden konnten mithin nicht, wie ich anfänglich vermuthete, an der Rinde saugen. Das Hocken der kleineren Thiere auf den grösseren war nichts anderes als der Begattungsprozess der mithin geschlechtlich getrennten Thiere und die braungelben Körperchen stellten sich bei genauer Untersuchung als wirkliche Eier heraus. Zum Beleg für diese beiden letzten Punkte will ich noch ein Beispiel aus meinem Tagebuch vom 2. September anführen.»An einem gestern aus dem Tannenwäldchen mitgebrachten Rindenausschnitt fand ich am Rande eines Risses ein todtes starkes weibliches Thier und zwei, noch munter umher laufende männliche. Eins der letzteren näherte sich dem weiblichen, setzte sich auf dasselbe, als wolle es zur Begattung schreiten, blieb in dieser Stellung einige Secunden lang, bewegte sich dann zur einen Seite des Körpers, dann zur anderen, stieg wieder ab und versuchte unter den todten Körper zu kommen, was ihm auch gelang. Hier- durch wurde das todte Thier etwas in die Höhe gehoben und nach einiger Zeit, sogar etwas vom Platze zur Seite geschoben. Dann unterbrach das Männchen seine Thätigkeit, lief weiter. kehrte aber bald wieder zurück und wiederholte dieselben Manöver. Das zweite Männchen näherte sich auch einmal dem weiblichen Thier, kehrte aber sofort um, als wolle es das erste nicht stören. Ieh sah diesem Treiben über ¹ Stunde lang zu, musste dann aber wegen der Sedanfeier abbrechen. Erst gegen Abend konnte ich wieder nachsehen. Das weibliche Thier hatte eine andere Lage bekommen, und die beiden Männchen waren verschwunden. Am andern Morgen untersuchte ich das weibliche Thier auf seinen Körperinhalt. Zu diesem Zwecke legte ich dasselbe auf ein weisses Blatt Papier, drückte mit einer stärkeren Nadel den Vordertheil des Körpers fest auf, und mit einer feineren Nadel versuchte ich vorsichtig den Hinterleib zu öffnen, was mir auch gelang; dann strich ich drückend mit derselben den Körper von der Kopfseite her nach hinten, und siehe ein braungelbes Ei trat hervor; die Körperhaut mit einer braunen Flüssigkeit hatte ich unter der stärkeren Nadel«. Dass die beiden Thierformen wirklich getrennten