zeigte 20°R. und die Sonne schien brennend heiss. Als ich in die Nühe der Ulmenstämme kam, sah ich im Sonnenschein, wie Tausende von Insekten auf dieselben zuflogen und sich darauf niederliessen. Ich hielt die Thiere für Mücken. Beim ersten der Ulmenstämme blieb ich stehen und bemerkte an den untern Aesten und deren Zweigen eine Masse von diesen Thieren. Ich ging zu den andern Ulmen und machte da dieselbe Beobachtung, aber an keinem andern Baume oder Strauch, zwischen welchen die Ulmen stehen, bemerkte ich ein Thier. Deshalb fasste ich die ganze Erscheinung an einem einzelnen kleinen Ulmenbaum genauer in's Auge. Dabei sah ich dann, dass sämmtliche Thiere von den kleinsten Zweigen an bis zum Stamme, an den Stellen, wohin die Sonne nicht schien(an den Zweigen und Aesten also unten, am Stamme aber an der Nordost-, resp. Ostseite), in einem zusammenhängenden Strome Thier an Thier von oben nach unten hastig wanderten. An den Stellen, wo die Zweige oder kleinen Aeste aus dem Hauptast kommen, also einen Winkel bilden, liess sich eine Menge Thiere nach unten fallen. Durch den Zusammenfluss der kleineren Züge an den Zweigen und Aesten häufte sich die Masse der Thiere am Stamme so, dass sie fingerdick auf einander sitzend, einen breiten Streif bildeten, der weiter nach unten immer breiter und dicker wurde, so dass am untern Ende der ganze Stamm rund herum mindestens zwei Finger hoch von Thieren bedeckt war. Auf dem Boden am Fusse des Stammes, war die Menge noch grösser; mit einem Griff hob ich hier eine ganze Hand voll lebender Thiere auf.— Weil die Thiere nur allein an den Ulmen waren, so vermuthete ich in denselben eine zweite geflügelte Form von Tetraneura ulmi. Um dies fest- zustellen(ich hatte, weil ich von einer solchen Erscheinung keine Ahnung haben konnte, keine Loupe mitgenommen), schnitt ich einen kleinen, mit Thieren besetzten Ast ab, um denselben mit nach Hause zu nehmen. Ich bemerkte jedoch, dass die Thiere ihre einmal angenommene Richtung der Bewegung nicht ünderten, sondern sich am abgeschnittenen Ende des Astes ähnlich an- häuften, wie die Bienen vor dem Korbe, wenn sie schwürmen wollen, und wenn die Menge zu gross wurde, zu Boden fielen. Wenn ich keine Vorkehrung getroffen hätte, würe ich mit dem leeren Aste nach Hause gekommen. Deshalb umgab ich das Astende dutenartig mit einem Stück Papier, wodurch es mir gelang, eine ansehnliche Menge zu Hause in einem Glase zu summeln. Eine genauere Untersuchung ergab nun, dass diese Thiere(Fig. 23) nicht nur in der Gestalt, Haltung und Bewegung im Allgemeinen, sondern auch im Flügelgeäder und sonstigen Körpermerkmalen mit denjenigen vollständig übereinstimmten, welche im Juni und Juli fliegen. lch hatte somit eine zweite geflügelte Form von Tetraneura ulmi L. entdeckt.— Am andern Morgen bemerkte ich, dass die Thiere im Glase eine Menge ungeflügelter Junge zur Welt gebracht hatten und zwar zweierlei, eine kleinere, mehr schmale und grün aussehende, nach hinten etwas preitere, und eine grössere und dickere, braune Form. Ob diese letztere vielleicht eine ültere, schon einmal gehäutete Form war, konnte ich nicht feststellen. Diejenigen geflügelten Thiere, welche ihre Jungen schon alle abgesetzt hatten, hatten ebenso eingeschrumpfte Hinterleiber, wie dies bei der Frühlingsgeneration der Fall ist. Am 10. August hatte ich nun nichts Eiligeres zu thun, als nachzusehen, ob auch in der Aue an den Ulmen dieselbe Erscheinung wahr zu nehmen sei; auch hier war dies der Fall. An allen jungen, bezw. kleineren Ulmen- bäumen und Sträuchern, welche ich untersuchte, wanderten die geflügelten Thiere von oben nach unten, wenn auch nicht so massenhaft wie im Tannenwäldchen.
Der Umstand, dass die Thiere im Glase Junge geboren hatten, liess mich vermuthen, dass im Preien die Jungen an der Rinde zu finden sein müssten. Auch dieses fand ich am 10. August bestätigt.— Es war nun meine Aufgabe, diese bis dahin aus dem Genus Tetraneura unbekuannten Thiere in ihrem Thun und Treiben. in ihrer Entwickelung weiter zu beobachten.
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