Junge zur Welt, jedoch in geringer Zahl, nur höchstens acht bis zehn. Ich habe dies wieder- holt auf die Weise beobachtet, dass ich die einzelnen Thiere in dem Moment, wo sie vom Rande der Gallenöffnung aus Anstalt machten, fortzufliegen, jedes mit einer Pincette an den fast senk- recht in die Höhe stehenden Flügel fasste und in ein besonderes Gläschen brachte. Auch treten die Embryone alsbald aus dem Thiere hervor, wenn man es in Canadabalsam bringt. In fast allen Präparaten, welche ich von diesen Thieren gemacht habe, liegt deshalb eine Anzahl der- selben unmittelbar am Hiuterleib im Balsam und zwar in Eiform.— Die Entwickelungsdauer von dem Zeitpunkt an, wo das Urthier sich in die Blattfalten drängt, bis zu der Zeit, in welcher die ersten geflügelten Nachkommen desselben die Galle verlassen, beträgt circa zwei Monate. Am 24. April sah ich die ersten Thiere an den hervortretenden Blattanfängen der sich öffnenden Knospen, und am 22. Juni verliess schon eine Menge geflügelter Thiere die Galle.
Hat das geflügelte Thier seine Brut alle abgesetzt, so ist auch sein Hinterleib bis an das Bruststück vollständig eingeschrumpft. Meine Untersuchungen dieser Hinterleibsreste sowohl als auch solcher Hinterleiber, welche noch gefüllt waren, haben ergeben, dass keine Spur von Darm oder Geschlechtstheilen darin enthalten ist, auch habe ich nie gesehen, dass diese Thiere Koth absonderten; mithin kann diese Thierform, welche bisher als die alleinige geflügelte des Genus Tetraneura galt, nicht die vollendetste in dem Entwickelungskreis desselben sein. Es ist nur eine Zwischenform, welche den Zweck hat, die von ihr abgesetzten, zur weiteren Entwickelung fähigen Thiere auf eine andere Nährpflanze zu tragen, weil die Blätter der bis- herigen(Ulme) zur Ernährung der zarten Thierchen nicht mehr saftreich genug sind.
Die Jungen der ersten geflügelten Form
kommen, wie oben schon angedeutet, in Eiform(Fig. 14 a) zur Welt. Die Haut, von welcher sie umschlossen sind, öffnet sich ebenso bald nach oder auch schon während der Geburt, wie dies bei den vom Urthier abgesetzten Jungen der Fall ist. Der Körper derselben(Fig. 14 b) ist kaum 1 mm lang, wird vom Kopf an nach hinten etwas breiter und verschmälert sich dann wieder etwas. Die Farbe desselben ist anfänglich gelbbraun, wird aber nachher ganz grau. Die wasser- hellen Extremitäten färben sich ebenfalls nach und nach dunkeler. Die einzelnen Hinterleibs- ringe sind ganz deutlich von einander geschieden, alle zusammen bilden am Rande eine Art Kante. Auffallend ist die Grösse des Schnabels, welcher in der Ruhe bis an den vorletzten Hinterleibsring reicht, und an welchem man drei Abschnitte ganz deutlich unterscheiden kanm wovon der erste noch länger ist als die beiden folgenden zusammengenommen. Die sechsglied- rigen Fühler sind so lang wie die grösste Breite des Hinterleibs. Sämmtliche Körpertheile sind mit einzelnen starken Haaren besetzt, wodurch das Thier ein eigenthümliches, fast struppiges Aussehen erhält.
In der Einleitung habe ich schon angeführt, dass ich diese Thierform früher für die- jenige hielt, welche überwintert und im Frühjahr den Fortpflanzungsprozess von Neuem anfing, dass dies aber ein Irrthum sei. Es ist dies wirklich ein Irrthum, denn im August und September desselben Jahres erscheint eine zweite geflügelte Form von Tetraneura ulmi L., welche sich zu der eben beschriebenen ungeflügelten Form ebenso verhalten muss, wie sich die ersten geflügelten Thiere zu dem im Frühjahr auftretenden Urthier verhalten, und von welcher ich nachweisen werde, dass von ihrer Nachkommenschaft das Urthier herstammt. Der Hergang zur Entdeckung dieser zweiten geflügelten Form ist folgender: Am 9. August 1878 ging ich Nachmittags 4 Uhr in's Tannenwäldchen. Das Thermometer, wonach ich beim Weggehen sah,
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