Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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waren, sind nach deren Ablösung am Blatte Lücken, so dass dasselbe bald am Rande zerrissen aussieht, bald zwischen den Rippen grosse Löcher zeigt, bald nur noch eine Hälfte besitzt, oder an der Spitze abgebrochen ist und dgl. m. War der zur Gallenbildung vorbereitete Flächen- theil des Blattes ursprünglich verhältnissmässig klein, so wird derselbe nach dem Absterben der Galle beim Weiterwachsen des Blattes nicht abgestossen, namentlich dann nicht, wenn die Gefäss- bündel einer Seitenrippe dabei in Mitleidenschaft gezogen worden waren; die Gallen bleiben in diesem Falle auf dem Blatte sitzen, schrumpfen zusammen, werden braunschwarz und sehen aus der Ferne für den Nichtkenner wie kleine Beeren aus.

Die Entstehung der Gallen, welche Tetraneura alba erzeugt, beruht auf demselben Prinzip, welches den Gallen der vorigen Art zu Grunde liegt. Wie schon oben gesagt, lassen sich die ersten Anfänge nicht beobachten, weil die Blattstelle, an welcher die Galle entsteht, erst dann zu sehen ist, wann das junge Blatt sich schon ausgebreitet hat. Eine grüngelbe Stelle auf der Mittelrippe und an beiden Seiten derselben und zwar immer in der unteren Blatthälfte, meistens nahe am Grunde des Blattes, macht den Beobachter darauf aufmerksam, dass der Bau der jungen Galle nicht nur schon begonnen hat, sondern im Fortschreiten begriffen ist. Das Thier hat zu der Zeit, wo das Blättchen noch in Falten lag, die betreffende Stelle aufgesucht und da die Zellen auf ähnliche Weise afficirt, wie dies von T. ulmi mit einem Theile des Gewebes zwischen zwei Blattrippen geschieht. Die Blattstelle wird in Folge dessen aber nicht roth, sondern grüngelb, auch schwellen die Gefässbündel, nicht nur der Hauptrippe, sondern auch die der hier aus derselben entspringenden Nebenrippen an. Die Anschwellungen sind eine Folge des intercalaren Wachs- thums. Indem nun ferner die Neubildung, resp. Anhäufung von Zellen an dieser Stelle ener- gischer vor sich geht, als an den nach der Blattumfangslinie hin gelegenen Blatttheilen, so werden diese letzteren, älteren,(sowohl Rippen- als Gewebetheile) nicht in dem Masse durch das Wachs- thum des ganzen Blattes von seinem Grunde aus fortgeschoben, als die an dem afficirten Theile, wodurch dann hier eine Wölbung des Blattes in der Art entsteht, dass Rippen und Blattgewebe an der Unterseite des Blattes sich ausbiegen und dadurch auf der Oberseite eine muldenförmige, flache Vertiefung bilden(Fig. 4). Bei Beginn dieser Formäünderung der ganzen unteren Blatthälfte hat sich das Thier auf der Unterseite des Blattes den Winkelpunkt aufge- sucht, welcher eine Nebenrippe mit der Hauptrippe macht, um hier sitzen zu bleiben. Es lehnt sich dicht an die Hauptrippe an und bewirkt von hier aus, gleichsam sich in dieselbe hineindrängend, eine Ausstülpung des Gewebes nach oben, ähnlich wie T. ulmi, auch bleibt es bis zur Vollendung des Baues immer am oberen Theile der Galle sitzen. Weil das Hauptmaterial zu derselben von der Mittelrippe und deren nächsten Umgebung hergenommen ist, so wird die Galle dickwandig. Dem Wachsthum derselben nach oben hin entsprechend, nimmt die Ver- grösserung der Ausbiegung der Rippen und des Gewebes nach der Unterseite hin ab und hört nach und nach ganz auf, so dass von der Zeit an, wo die Galle nicht mehr wächst, die übrigen Theile des Blattes bis zur Vollendung desselben in der normalen Ausbreitung ungestört weiter wachsen, auch das ganze Blatt dabei nicht etwa kleiner bleibt als die benachbarten Blätter, auf welchen keine Gallen sind. Die weitere Entwickelung der Galle selbst stimmt mit der von T. ulmi in der Hauptsache überein, insbesondere wird auch sie anfänglich durch aussergewöhliche Haar- bildung von unten so lange zum Schutze des Insassen geschlossen, bis der Verschluss durch das Zellgewebe erfolgt. Ausgewachsen ist die Galle von verschiedener Form, meist aber breit halb- kugelig oder eiförmig, je nach der Grösse und Kräftigkeit des Blattes auch verschieden gross; eine derselben, welche mittlere Grösse hatte, war 12 mm hoch und hatte einen Querdurchmesser von 8 mm; ihre Wanddicke betrug 2 mm. Dass nicht die ganze Masse der Mittelrippe, sondern