intercalare Wachsthum der Galle noch durch die Erscheinung bestätigt, dass sich dieselbe mit der Zeit nicht nur von unten schliesst, sondern dass die Zellenbildung hier so energisch vor sich geht, dass eine stielartige Erhöhung entsteht, welche die ganze Galle trägt.— Tritt indessen zu der Zeit, wann die Thiere in den Falten des Blattes das Gewebe für die Entstehung der Galle vorbereitet haben, eine Verzögerung der Vegetation überhaupt ein, so entsteht kein interca- lares Wachsthum der Zellen, die Gallen entwickeln sich nicht; die Thiere verlassen dann diese Blätter wieder und suchen, wenn dies noch möglich ist, jüngere auf. So sah ich am 11. Mai 1876 an vielen Zweigen die jungen Blättchen mit den rothen Flecken vollständig ausgebreitet aber keine Thiere daran. Dagegen befanden sich an defi noch gefalteten Blättchen an denselben Zweigen eine aussergewöhnlich grosse Menge von Thieren. Der Grund zu dieser Erscheinung lag darin, dass die betreffenden Zweige der Sonne besonders ausgesetzt waren, wodurch ein Theil der Knospen sich Anfangs Mai rasch entwickelt hatte, so dass die Blätter hervortraten, dann aber durch das eingetretene trockene, kalte und windige Wetter(Nord- und Ostwind) im begonnenen raschen Wachsen gehindert wurden. Die Erzeuger der rothen Flecken verliesen die zu früh präparirten Blättchen und suchten jüngere auf.
Zu der durch das Insekt hervorgerufenen aussergewöhnlich starken Neubildung von Zellen tritt auch noch die einer abnormen Haarbildung an der Unterseite des zur Galle verwendeten Blatt- theiles.— Die Haare sind bekanntlich bei den höheren Pflanzen Auswüchse aus der Epidermis, d. h. aus der bleibend äusseren Zellschicht der Blätter, Stammtheile und Wurzeln in der Form einfacher, schlauchförmiger Ausstülpungen oder Zellreihen, Zellflächen und Gewebekörpern, welche verschiedene Zwecke haben. Bald dienen sie als wollige Umhüllung junger Blätter, bald als Drüsen zur Absonderung von besonderen Stoffen und dgl. Im vorliegenden Falle haben sie den Zweck, die entstehende Galle zum Schutze des Insassen so lange zu verschliessen, bis der Bau vollendet ist, d. h. so lange, bis der Verschluss von unten durch die Neubildung von Zellen selbst ge- schieht. Sobald sich die ersten Anfänge zur Galle zeigen, bemerkt man schon am Umkreis der geringen Einstülpung aussergewöhnlich viel Haare, deren Menge immer grösser wird. In dem- selben Verhältniss, in welchem sich das Blatt und die junge Galle weiter entwickeln, vermehren sich auch die Haare. Anfänglich kann man das Thier ohne Mühe noch durch die Haare hindurch erkennen, doch wird dies von Tag zu Tag schwieriger, bis endlich eine vollständige Verfilzung der Oeffnung stattgefunden hat, über welcher sich dann der oben erwäühnte stielartige Zellen- complex bildet und so die Galle dann dauernd schliesst. Der Filzverschluss bleibt daneben auch noch so lange als die Galle existirt. Auch die Innenwand der Galle, welche Fortsetzung der Unterepidermis ist, hat dieselbe Anlage zur Bildung von Wollhaar, was sich namentlich in den unbewohnten Gallen zeigt, die im Innern ganz verfilzt sind; bei den bewohnten wird nur das Lüngenwachsthum der Haare durch die Thiere gehindert, nicht aber die Menge derselben.— Der Nahrungszufluss für die bewohnten Gallen und deren nächste Umgebung dauert nur so lange, als Thiere in derselben thätig sind. Schon von der Zeit an, in welcher die zuerst geborenen sich ihrer Reife nahen, d. h. wann sie Flügel bekommen, wird dieser Zufluss schwächer. Die Galle färbt sich hellgrün, bekommt am unteren Ende kleine Risse, die sich nach und nach zu einer Oeffnung mit wulstigem Rande(Fig. 1) erweitern, wird immer heller, bis sie zuletzt zu der Zeit, in welcher die letzten Insassen ihre Wohnung verlassen, fast ganz gelb aussieht. Von da an stirbt der anders als grün gefärbte Theil des Blattes mit der Galle ab und löst sich zuletzt vom Blatte ganz los. Dieses vegetirt indess bis zum Blätterfall im Herbste fort. Die Zufuhr von Nahrungsstoff für die Missbildung scheint also nur durch den Reiz, welchen die Thiere auf das Zellgewebe ausüben, unterhalten zu werden. An denjenigen Stellen, wo Gallen


