12.— der älteren Rindentheile am Stamm und an den Aesten mit Kalk- oder Gaswasser und dgl. in der Art, dass die tiefer gelegenen Theile der Rindenrisse dabei besonders berücksichtigt werden, und zwar während der Herbst- und Winterzeit, sichern jedenfalls den gewünschten Erfolg.
Die Entstehung und Entwickelung der Gallen.
Die Erklärungen über das Entstehen der Gallen, welche die älteren Schriftsteller geben, gehen alle dahin, dass durch den Stich der Blattlaus dem Blatt an der verletzten Stelle der Saft entzogen würde, und dass dadurch die betreffende Missbildung entstände. Selbst Ratzeburg scheint noch diese Ansicht zu theilen.*)— Ich bin anderer Meinung. Nicht Saftentziehung, sondern Erregung zu einer aussergewöhnlich starken örtlichen Vermehrung der jungen Zellen, etwa durch Einlassen einer Flüssigkeit Seitens des Thieres, halte ich für die Grund- ursache zu den Missbildungen. In welcher Weise diese Erregung erfolgt, werde ich bei jeder einzelnen Art näher angeben.
Die von Tetraneura ulmi hervorgerufenen Blattauswüchse findet man, wie oben gesagt, nur an den Stellen des Blattes, welche eine röthliche oder rothe Farbe haben. Weil die anders gefärbten Blattstellen bei den ganz jungen Blättchen nur da entstehen, wo das Thier angetroffen wird, und weil dieselben ausserdem gesund sind, d. h. ebenso wie die übrigen grünen Blatttheile, sich weiter entwickeln, namentlich ebenso aus der faltigen Lage nach und nach in die Flächen- form übergehen, so kann das Thier selbst nur die alleinige Ursache zu dieser Farbenänderung sein. Ich denke mir, dass dasselbe mit seinem Schnabel eine Flüssigkeit in das zarte Zellgewebe bringt, welche nicht nur das Chlorophyll anders färbt, sondern auch dem Protoplasma der einzelnen Zellen gleichzeitig und zwar vorzugsweise die Eigenschaft gibt, dass diese sich um die Stelle her- um, an welcher das Thier sitzen bleibt, durch Theilung rasch vermehren, wodurch dann das intercalare Wachsthum, d. h. das Wachsen an dieser Stelle, an der Basis der künftigen Galle, beson- ders belebt wird. Indem nun das Thier diesen Ort nicht verlässt, übt es, mag es nun sein durch seine eigene Schwere oder durch besondere Bewegungen, auf den schon vorhandenen Blatttheil einen Reiz, einen Druck, aus, schiebt diesen Theil gleichsam vor sich her und erleichtert dadurch die Neubildung von Zellen um diesen Theil herum, so dass sich hier eine sackartige Ausstülpung der Blattfläche bildet, welche am untern Ende stets erneuert wird.(Diese Stelle liegt immer zwischen zwei Seitenrippen des Blattes.) Für diese Annahme spricht der Umstand, dass man das Thier, so lange die Galle noch nicht von unten geschlossen ist, man also noch hinein sehen kann, stets am oberen Ende derselben sitzen sieht. Auch findet man es später, wenn die Galle zwar unten geschlossen, aber noch im Wachsen begriffen ist, immer noch an dieser Stelle, weshalb man in vielen Fällen, wenn man die Galle durch einen Querschnitt am oberen Ende öffnen will, das Thier selbst mit durchschneidet.— Wenn die neue Zellenbildung so weit vorgeschritten ist, dass man eine Umstülpung des Gewebes nach der Oberseite des Blattes hin bemerkt, so ist das fernere Wachsthum dem Wachsen des Sporns an den Blüthenblättern von Aquilegia und vieler Orchideen ganz analog, bei denen das Grösserwerden nur von der Basis des Sporns aus geschieht. Hat die junge Galle erst einmal eine gewisse Grösse erreicht, so ist zum Weiterwachsen der- selben die Anwesenheit des Thieres in derselben nicht mehr nöthig, denn man findet später neben den bewohnten auch eine Anzahl unbewohnter, freilich kleinerer, viel engerer, fast röhriger Gallen. Auch dieser Umstand spricht für die Richtigkeit meiner Amnahme. Endlich wird das
*) Ratzeburg, die Forstinsekten. III. Theil p. 220.


