Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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chen Gras, Moos und die Erde am Grunde der Stämmchen circa 30 cm breit und so tief, dass die Wurzeln bloss lagen. Es ergab sich später, dass diese Bäumchen ebenso befallen waren, als die übrigen, dass mit hin die Thiere nicht am Fusse derselben in der Erde überwintern. Am 11. und 12. April war sonniges und warmes Wetter. Für den Fall, dass dasselbe beständig ge- blieben und die Knospen deshalb zum Anschwellen gekommen wären, legte ich am 13. April Theerringe an; indess schlug das Wetter wieder um und blieb bis in die zweite Maiwoche rauh. Erst am 7. Mai hielt ich es für gerathen, die Theerringe zu erneuern, die ich dann bis zum 18. Mai täglich auffrischte. An einem Stämmchen legte ich einen solchen circa 0,5 m über der Erde an; aber auch an diesem Bäumchen entstand später eine Menge Gallen. An einem vierten, das sich oben in zwei Aeste theilte, liess ich den einen Ast ganz frei, an dem andern brachte ich unten und in der zweiten Hälfte nach oben je einen 1 dm breiten Ring an; zwischen beiden Ringen befanden sich noch zwei kleine Aestchen mit Verzweigungen. Die Rinde an dem ganzen Stamm und an der untern Hälfte der beiden Aeste war stark rissig und mit Baumflechten bedeckt, während dieselbe nach den Zweigen hin immer glatter wurde. Das Endresultat bestand darin, dass an dem freigelassenen Aste die Blättchen über und über mit Gallen bedeckt, am zweiten Aste die Blätter der kleinen Aestchen zwischen den zwei Theerringen unbedeutend befallen, und die an den äussersten Verzweigungen, d. h. über dem obersten Ring ganz frei waren. Aehnlich hatte ich noch ein fünftes Bäumchen und zwar mit demselben Erfolge behandelt. Etwa 2 m über der Erde befand sich an diesem Bäumchen ein gegen 1 m langes Aestchen, bei welchem ich durch einen Theerring am Ursprung desselben die Passage vom Stamme her abgeschnitten hatte; auch an diesem entwickelten sich später die Blätter makellos. Durch diese Versuche war somit festgestellt, dass die Thiere zwischen ältereren rissigen Rindentheilen des Stammes und der Aeste überwintern. Ich hätte dieselben indess gar nicht zu Ende zu führen brauchen, denn schon am 29. April hatte ich die Freude, aus Rindentheilen, welche ich Anfangs April von den Stämmen trennte und in einem grossen Glase in meinem Arbeitszimmer aufbe- wahrte, eine Menge der kleinen, so sehnlichst erwarteten, schwarzen und durch die Stubenwärme verführten Winterschläfer hervormarschiren und damit ihren Winteraufenthaltsort verrathen zu sehen. Ein dritter Beweis liegt in folgender Beobachtung: Im März 1877 wurde in der Aue im sogenannten Irrgarten das Buschwerk gekappt; dabei fiel dann auch eine Anzahl Büsche und Bäumchen, an welchen ich in den vorhergegangenen Jahren interessante Beobachtungen gemacht hatte, die ich in diesem Jahre weiter verfolgen wollte. Beim jeweiligen Vorübergehen sah ich mir die nunmehr für mich nutzlos gewordenen Stümpfe derselben doch noch manchmal, wenn auch nicht ohne Bedauern, an. An einem derselben, welcher etwa 1 m hoch geblieben war und circa 3 4 cm Durchmesser hatte, bemerkte ich dann gegen Mitte Mai üppig hervorspriesende Zweige mit grossen Blättern, welche fast überall ganz braunroth aussahen und dabei buchstäblich mit kleinen Gallen bedeckt waren. An drei Blättern von 6 cm Lünge und 5 cm Breite zühlte ich auf dem ersten 95, auf dem zweiten 104 und auf dem dritten 112 Stück. Wo anders her als aus den Rindenrissen des stehengebliebenen Stammrestes konnten die Erzeuger dieser Gallen gekommen sein? Sie hatten das Hervortreten und Entfalten der jungen Blätter abgewartet und waren dann massenhaft darüber hergefallen. Durch diesen Fall veranlasst, sah ich mir noch andere Ulmenstümpfe genauer an und fand, dass auch bei diesen die zuerst ausgetretenen Blätter ähnlich stark mit Gallen bedeckt waren.

Die Bekanntschaft mit dem Ueberwinterungsort dieser Thiere setzt uns in den Stand, in

Gärten und kleinen Parkanlagen der Verunstaltung der Blätter, namentlich an jungen Bäumen

und Sträuchern von vorne herein entgegen zu treten. Abkratzen, Abbürsten oder Bestreichen 2*¾