Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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Schizoneura lanuginosa Hart.

Die Gallen dieser Art bemerkt man in der Regel erst dann, wenn sie schon halbwüchsig sind. Im Sommer 1877 fand ich erst am 7. Juni Anfänge derselben, nachdem ich schon lange vorher danach gesucht hatte. Zweige, welche an ihrer Spitze ein nach der Unterseite hin umge- bogenes Blatt hatten, machten mich darauf aufmerksam. Neben der Basis dieses umgebogenen Blattes sass eine erbsengrosse, weisswollige Anschwellung, in welcher ich beim Durchschneiden derselben das schwarze kaum 1 mm grosse Thier fand. Diese Anschwellung vergrössert sich mit der Zeit zu einer blasen- oder beutelförmigen, kurzwollhaarigen, graugelben Galle, welche gewöhn- lich die Grösse einer Wallnuss hat, aber auch an üppig wachsenden Sträuchern nicht selten einen Quer- und Höhendurchmesser von 4 bis 5 cm erreicht(Fig. 8). Dem Grösserwerden der Galle entsprechend wächst auch das Thier, welches eine Länge von 4 mm erreichen kann und seine ursprüngliche schwarze Farbe beibehält. Ausgewachsen ist der Körper desselben ellipsoidisch. Seine ganze Entwickelungs- und Lebensweise stimmt mit der von Sch. ulmi überein, ebenso die seiner Jungen, deren Anzahl ebenfalls eine beträchtliche ist. Am 29. Juni zählte ich in einer Galle 182 derselben, und das Mutterthier war noch zeugungsfähig, so dass die Menge noch grösser geworden wäre. Die Jungen sind anfänglich grüngrau und werden zuletzt Servarz; ihr Körper ist gestreckter als der der vorigen Art, wird auch etwas grösser als bei dieser. Ebenso sind die geflügelten Thiere etwas grösser und kräftiger. Die Flügelbildung ist bei beiden Arten fast gleich, nur entspringt die gegabelte dritte Schrägader nicht an der Hauptader, sondern etwas davon entfernt, auch zeigen die einzelnen Fühlerglieder einige Verschiedenheiten. Die zwei Grundglieder sind auch fast kugelig, jedoch ist das zweite kleiner als das erste, das dritte cylinderförmige ist so lang, dass es die Hälfte des ganzen Fühlers einnimmt, viertes und fünftes sind von gleicher Länge und in der Mitte etwas verdickt, letzteres jedoch im Ganzen etwas schwächer als das vierte, das ellipsoidische Endglied ist nach vorn etwas dünner und dabei kürzer als das fünfte. Die vier letzten Glieder sind sämmtlich durch kleine Vertiefungen deutlich geringelt, jedoch wird diese Ringelung nach der Spitze hin schwächer. Dass diese geflügelten Thiere bald, nachdem sie in's Freie gelangt sind, auch ungeflügelte Junge zur Welt bringen, brauche ich kaum zu erwähnen. Eins derselben brachte ich gleich, nachdem es die Galle verlassen hatte, zwischen zwei Glasblättchen in Canadabalsam. In diesem Präparat zühle ich noch gegenwärtig 23 Embryo- nen, welche den ganzen Hinterleib des Thieres ausfüllen, und wovon die zwei, welche der Hinter- leibsöffnung am nächsten liegen, die Grösse der ausschlüpfenden schon erreicht haben. In einem andern eben solchen Präparat liegen neben dem Mutterthier 4 Junge, welche noch von der Embryohaut, die sie im Balsam wicht abstreifen konnten, umgeben sind. Die F lugzeit der Thiere dieser Art fällt in die erste Hälfte oder Mitte Juli.

Alle vier im Vorstehenden beschriebenen Aphiden-Arten stimmen in der Art und Weise ihrer Fortpflanzung darin überein, dass die überwinterten Thiere und deren geflügelten Nachkom- men lebendige Junge gebären. Es liegt hierbei nun die Frage nah, ob überhaupt eine Befruchtung stattfindet, ob also in den einzelnen Colonieen verschiedene Geschlechter beisammen sind, und wenn dies der Fall ist, zu welcher Zeit die Befruchtung vor sich geht. Die hervorragendsten Beobachter dieser Thiere z. B. oon Gleichen, Reaumur, de Geer, Ratzeburg etc. haben nach ihren Berichten nun zwar niemals Männchen, niemals etwas von Begattung gesehen, und doch scheint mir die Annahme, dass keine Männchen unter ihnen seien, also eine Befruchtung nicht statt- fände, noch zweifelhaft zu sein. Gegenwärtig, wo ich meine Beobachtungen und Untersuchum- gen zusammenstelle, finde ich zu meinem Bedauern, dass ich diesen zweifelhaften Punkt zur Klar-