Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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2 nach und nach Theile des Wollhaares, resp. der abgestreiften Häute herausgedrängt werden, die sich als weisser Staub an dem Rande der Oeffnung und dessen nächster Umgebung festsetzen. Während der Flugzeit wird diese weisse Haarstaubmasse immer grösser. Vom Beginn des Aus- fliegens an ist die Rolle neben der Altmutter, welche von da an von hinten her nach und nach bis an die Brust einschrumpft, mit Thieren aller Entwickelungsstufen wie bei den Tetraneura- Arten bevölkert. In den meisten Fällen befindet sich in einer Blattrolle nur ein einziges Ur- thier, von welchem die zahlreiche Nachkommenschaft herrührt. In nicht seltenen Fällen kommt es aber auch vor, dass von vorne herein mehrere überwinterte Thiere gleichzeitig eine und dieselbe Blatthälfte am Rande für ihre künftige Brutstätte präpariren, namentlich bei den grossblätterigen Ulmen. Dann wird mit der Zeit die Menge der jungen Thiere so gross, dass sie im Innern der Rolle nicht alle Platz finden und theilweise an die äussere Seite gedrängt werden, wo sie selbst- verständlich umkommen. Am 5. Mai 1877 fand ich in einer kleinen Rolle 6 noch keinmal ge- häutete, und 2 Thiere mit einer abgestreiften Haut; in einer andern an einem ganz jungen Blatte, welches an einer Seite und von der Spitze aus eingerollt, überall gelblich grün aussah und dabei ganz verkrüppelt war, in dem eingerollten 10 und in dem anderen noch gefalteten Theile 14 Mutterthiere zwischen den Falten. Sämmtliche Thiere trugen noch ihre erste Haut und waren von gleicher Grösse. An dem Blatte war kein gesunder Theil mehr, weshalb es auch, wenn es am Zweige geblieben würe, nicht hätte weiter wachsen können, in welchem Falle auch die Thiere umgekommen wären, wenn sie sich nicht vorher eine andere, eben aufgehende Knospe aufgesucht hätten. Am 19. Mai zühlte ich in den Rollen von vier sehr grossen Blättern in den zwei ersten je 7, in der dritten 9 und in der vierten 11 vollständig ausgewachsene und ganz in Wolle einge- hüllte Mutterthiere mit einer nach Hunderten zühlenden Menge von Jungen.

Die geflügelten Thiere(Fig. 6) sind in allen Körpertheilen etwas grösser als die Tetraneura- Arten. Der ganze Körper(die Extremitäten mitgerechnet) ist schwarz, der Hinterleib in's Grün- liche spielend. Die sechsgliederigen Fühler(Fig. 7) sind halb so lang als der Körper, die zwei Grundglieder derselben verdickt, fast kugelig, das dritte Glied ist am längsten, länger als die drei folgenden zusammen genommen, und durch seichte Einschnürungen geringelt, viertes und fünftes ebenfalls geringelt, das sechste dagegen ist eben und spitzlich zulaufend. An den ungerandeten glashellen Vorderflügeln tritt die Läingsader und das-Flügelmal markirter als bei den Tetraneura- Arten hervor. Letzteres ist rein lanzettlich. Die zwei vorderen Schrägadern entspringen nicht an einem Punkte der Längsader, sondern deptlich von einander getrennt. Die erste verläuft dann kurz schräg durch den Flügel bis an den entgegengesetzten Rand, so dass sie von diesem das erste Drittel abschneidet. während die zweite mit ihrem Endpunkt das zweite Drittel desselben abgrenzt. Die dritte Schrägader entspringt ebenfalls an der Längsader und theilt sich dann in der zweiten Hälfte ihrer Länge gabelig. Der Unterflügel hat zwei Schrägadern, welche ziemlich nahe aneinander aus der Längsader entspringen.(Die gegabelte dritte Schrägader im Vorder- flügel und die zwei Schrägadern im Hinterflügel sind das Hauptunterscheidungsmerkmal im Flü- gelbau der Gattung Schisoneura von der Gattung Tetraneura). Haben die Thiere die Galle verlassen, so fangen auch sie bald nachher an, Junge zu gebären, aber in grösserer Anzahl als die Tetra- neura-Arten. Ein am 8. Juni in ein Glas allein gebrachtes Thier hatte nach 20 Stunden 28 dunkelgelbe, 0,75 mm grosse, ungefligelte Junge um sich herumlaufen. Nach vollendeter Zeugung ist der Hinterleib des zeugenden Thieres bis an das Bruststück vollständig eingeschrumpft, dabei lebt es jedoch noch einige Zeit fort. Die Entwickelungsdauer dieser Art beträgt ungefähr 6 Wochen; sie ist die kürzeste von allen vier Arten, was in dem rascheren Wachsthum ihrer Wohnstätte begründet liegt.