Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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überall mit einem weissen Staube bedeckt, so dass sie grauschwarz ausschen. Das wirbelnde Auffliegen vom Rande der Gallenöffnung aus scheinen dieselben deshalb zu unternehmen, um sich von diesem Staube zu reinigen, denn bei dem Aufflug eines jeden Thieres bemerkt man ein kleines Staubwölkchen in der Luft, und beim ersten Niedersetzen erscheinen dieselben fast vollständig in der schwarzen Farbe, welche sie nachher beibehalten*). Weil die Thiere erst Ende Juli bis Anfang August die Galle verlassen, so ist eine genaue Feststellung ihrer Unterscheidungsmerk- male im lebenden Zustande von denen der vorigen Art, welche viel früher ausfliegen, nicht möglich. Todt sind beide wenig verschieden. Das einzige Unterscheidungsmerkmal, welches ich bei allen verglichenen Exemplaren fand, besteht darin, dass bei T. ulmi die zwei ersten Schrägadern von einem Punkte an der Hauptader ausgehen, während bei T. alba beide etwas von einander getrennt entspringen; auch sind bei dieser Art sämmtliche Flügeladern kerniger ausgebildet als bei jener. Schon nach einigen Stunden nach ihrem Austritt aus der Galle bringen auch diese Thiere 0,5 mm grosse, dunkelgelbe, ungeflügelte Junge zur Welt, welche die Stammmütter für das folgende Jahr sind.

Schizoneura ulmi L.

Dieses Thier wirkt frühzeitig schon auf das Gewebe des jungen Blattes so ein, dass sich die eine Blatthälfte vom Rande aus nach der Unterseite hin umbiegt und so mit der Zeit eine hellgelbe, blasige oder schwielige Rolle bildet(Fig. 5). Es ist ebepfalls schwarz glänzend, aber etwas grösser als die Tetraneura-Arten und weniger oder fast gar nicht am Hinterleib abge- stutzt. Je nachdem das Blatt langsamer oder rascher wächst, nimmt auch das Thier an Grösse zu. Die Wollhaarbildung auf seinem Körper sieht man schon nach der ersten Häutung als weisse Punktreihen auf den einzelnen Hinterleibsringen; dieselbe wird nach jeder folgenden Häutung grösser, so dass das Thier nach der letzten auch vollständig in einen zarten Wollpelz eingehülllt ist. Der fast eiförmige Körper desselben ist zu dieser Zeit schieferschwärzlich, 4 mm lang, 2,5 mm breit und hoch, der Kopf klein, Fühler und Beine kurz. Auch diese Blattlausart gebiert lebendige Junge, deren Anzahl in üppigen Blattrollen über 100 beträgt. Die noch nicht 1 mm grossen Thierchen sind anfangs fast wasserhell, werden später grün und im Puppenzustand, zu welcher Zeit sie etwas über 2 mm lang sind, grüngrau mit dunklerem Hinterleib**). Während ihrer Entwicklung ist auch ihr Körper mit Wollhaar bedeckt und jedes derselben verlässt bei ungestörtem Wachsthum die Blattrolle als geflügeltes Thier. Zu der Zeit, in welcher die zuerst geborenen in den geflügelten Zustand übergehen, wird der Schluss der Blattrolle nach und nach lockerer, bis endlich durch das Aufrollen an einem der beiden Enden derselben, selten an beiden zugleich, eine immer grösser werdende Oeffnung entsteht, aus welcher die reifen Thiere ent- weichen können. Das Ausfliegen der ersten kündigt sich dadurch an, dass aus dieser Oeffnung

*) Zur Beschreibung seiner Schizoneura compressa p. 267 scheint Koch, was die Färbung des Thieres anbelangt, ein solches beschrieben zu haben, was kurz vorher die Galle verlassen hat, also noch mit Staub bedeckt war; denn die von demselben den Fühlern, Beinen und Flügeln beigelegten besonderen Merkmale fallen weg, wenn der weisse Staub von diesen Theilen entfernt ist. Die sonstige Beschreibung der Fühler und Flügel und die dazu gegebene Abbildung Tafel XLVIII Fig. 341 passt auch nicht auf die von mir beobachteten Exemplare von Tetra- neura alba Ratzb.

**) Am 13. Juni 1877 fand ich in der Rolle zweier iippigen Blätter von einem Baume in der Ulmenstrasse dahier sämmtliche Thiere vom jüngsten bis zu den geflügelten von rothgelber Farbe. Worin diese Färbung ihren Grund hat, habe ich mir nicht erklären können.