5 vortretenden Blattanfängen der sich öffnenden Knospen, und am 22. Juni verliess schon eine Menge geflügelter Thiere die geöffnete Galle.
Tetraneura alba Ratzb.(Schizoneura compressa Koch)
verlässt gleichzeitig mit T. ulmi den Ueberwinterungsort. Die Thätigkeit des Thieres lässt sich jedoch nicht so vom allerersten Anfang an verfolgen wie bei der vorigen Art, weil die Blattstelle, an welcher das Thier das Blattgewebe zuerst afficirt, dem Auge anfänglich durch die Knospen- schuppen ganz und später auch noch theilweise so lange verborgen leibt, bis das junge Blatt sich vollständig ausgebreitet hat. Die Galle entsteht nimlich immer in der unteren Hälfte, gewöhn- lich am Grunde des Blattes auf der Haup trippe(Fig. 4). In dem Gallenanfang findet man ein schwarzes, ungeflügeltes Thierchen, was im Allgemeinen dieselbe Grösse und Forin hat wie das der vorigen Art. Nach der ersten Hüutung ist dasselbe gelblich grün, nach der letzten gelblich weiss, während Beine, Kopf, Schnabel und Fühler schwarz sind. Zu dieser Zeit misst es etwas über 2 mm, ist dabei fast ganz kugelig mit verhältnissmässig sehr kleinem Kopf, sehr kurzen Fühlern und Beinen und nach einiger Zeit so vollständig in einen kurzhaarigen Wollpel⸗ einge- hüllt, dass derjenige, welcher in diesem Intwickolungsstadium zum ersternnal in eine geöffnete Galle sieht, nur eine kleine Wollkugel bemerkt, darin aber kein Thier vermuthet. Auch bei ihm beginnt nach der letzten Häutung die Erzeugung lebendiger Jungen, welche anfänglich wasserhell, später aber gelblich weiss ausschen, dunkel gefärbte Extremitäten haben und sich ebenfalls nach und nach in einen dichten kurzhaarigen Wollpelz hüllen. Bei einer stark bevölkerten Galle sieht man später, wenn sich auch die Jungen gehäutet haben, beim Oeffnen der Galle nur eine zusam- menhängende Wollmasse(Wollhaare der Thiere selbst, verbunden durch die abgestreiften Körper- häute und deren Haare), welche sich bewegt.— Die Anzahl der Jungen in den einzelnen Gallen ist viel beträchtlicher als bei T. ulmi; ich zühlte in stark entwickelten Exemplaren wiederholt nahe an 200.— Auch sämmtliche Thiere dieser Art verlassen die Galle, wenn dieselbe normal wächst, in geflügeltem Zustand.
Interessant ist es, das Ausfliegen der Thiere zu beobachten. Hat sich die am oberen Gallentheil entstehende unregelmässige Oeffnung so viel erweitert, dass sich die reifen Thiere aus derselben herauswinden Können. 80 bedecken dich vorher die Ränder der Oeffnung nach und nach mit einem weissen Staub, welcher durch die drängenden Thiere herausgedrückt wird. Das Thier zwängt sich langsam hervor, bleibt mit anliegenden Fliügeln auf dem Rande der Oeffnung einige Secunden lang ruhig sitzen, während welcher Zeit die Flügel sich vom Körper abheben und nach oben richten, schnellt sich dann wirbelnd in die Höhe und fliegt fort, jedoch nicht in weitem, lang andauerndem, sondern durch öfteres Niedersetzen unterbrochenem Fluge. Keins von den vielen Thieren, welche ich von meinem Arbeitstisch aus bei offenen Fenstern ausfliegen sah, flog direct in's Freie; jedes setzte sich erst auf eine Stelle des Tisches oder eines Stuhles nieder, erreichte dann das Fenster selbst und zuletzt die vor demselben stehenden Gewächse, wo ich sie nicht weiter beobachtete. Weite Flüge scheinen diese Thiere sowie ihre Verwandten daher nicht zu machen, so dass die meisten im Freien nicht einmal den Strauch oder Baum, auf welchem sie erzeugt wurden, verlassen. Es spricht auch der Umstand dafür, dass Ulmen, welche einmal stark befallen sind, jedes Jahr diese Erscheinung zeigen, während man auf anderen, in der Nähe stehenden wenige oder gar keine Gallen sieht. Ferner fand ich wäührend der drei letzten Jahre jede ein- zelne der vier Arten Ulmenläuse nicht nur in ein und demselben Terrain, sondern fast nur an denselben Strauch- und Baumexemplaren wieder.— Beim Austritt aus der Galle sind die Thiere


