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stück hellgraugrün aus. Nach der letzten Häutung erscheint von jedem Insassen der Galle, nicht allein von einzelnen, ein geflügeltes Thier(Fig. 2), das in der ersten Zeit im Ganzen noch eine hellere Färbung hat, bald aber sich dunkeler färbt und bei seinem Austritt aus der Galle folgendermassen aussieht: Der ganze, circa 2 mm lange Körper ist sammt den Extremitäten schwarz, der Hinterleib etwas in's Olivenfarbige ziehend und ziemlich gewölbt, der Thorax glän- zend, die Rückenbeulen desselben stark aufgetrieben, das Schildchen etwas schmal, halbmond- förmig. Die sechsgliedrigen Fühler(Fig. 3) sind kaum so lang als die Breite des Thorax; die zwei ersten Glieder sind fast kugelig, das dritte Glied ist cylindrisch und so lang als die folgenden drei zusammengenommen; die Länge des vierten, am untern Ende eingeschnürten und in der Mitte dickern, beträgt etwa den vierten Theil des dritten, das fünfte, ebenfalls cylind- rische, ist dagegen halb so lang als das dritte, das Endglied, von ellipsoidischer Form, etwas grösser als das vierte, aber kleiner als das fünfte. Sämmtliche Fühlerglieder sind auf der Ober- fläche fein höckerig, fast gezühnelt.— An den ungerandeten glashellen Flügeln ist das Randmal fast lanzettlich, am Vorderende spitz erweitert, so dass die Radialzelle länglich elliptisch wird. Die zwei ersten Schrägadern entspringen in einem Punkte an der Längsader und divergiren von da an nach dem entgegengesetzten Flügelrande hin; die erste davon verläuft so, dass sie mit der Hauptader vom Ursprung des Flügels ein Dreieck abschneidet, welches fast gleichschenklig ist; die zweite ist noch einmal so lang als die erste und erreicht desshalb erst in der hinteren Flügelhälfte den Rand. Die dritte Schrägader ist einfach, d. h. nicht gegabelt und entspringt erst in der Mitte des Flügels. Der Unterflügel hat nur eine Schrägader*).
Zu der Zeit, in welcher die ersten geflügelten Thiere die Galle verlassen, besteht die Bevölkerung derselben aus der noch lebenden, aber zusammengeschrumpften Altmutter und ihren Nachkommen von jeder Altersstufe. In den Gallen auf solchen Blättern, welchen es an Nahrungs- zufluss fehlt, gehen die zuletzt geborenen vor ihrer Reife zu Grunde. Auf den Ulmen in der Aue, welche sämmtlich üppig wachsen, habe ich keinmal eine Galle gefunden, in welcher sich umge- kommene Thiere befanden; dagegen war dies an den verkrüppelten Ulmen im Tannenwäldchen sehr oft der Fall.— Die geflügelten Thiere verlassen nach und nach, je nach ihrem Alter, die Galle-durch eine am untern Ende derselben entstehende Oeffnung und bringen bald nachher, schon nach 4 bis 6 Stunden, wieder lebendige, gegen 1 mm grosse, graubraune, ungeflügelte Junge zur Welt, jedoch in geringer Anzahl, nur 8 bis 10. Ich habe dies wiederholt aut die Weise beobachtet, dass ich die einzelnen Thiere in dem Moment, wo sie vom Rande der Gallenöffnung aus Anstalt machten, fortzufliegen, jedes mit einer Pincette an den senkrecht in die Höhe stehen- den Flügeln fasste und in ein besonderes Gläschen brachte. Die ungeflügelten Thierchen sind diejenigen, welche im Frühjahr den Fortpflanzungsprocess von Neuem beginnen. Mit Ausnahme der Farbe stimmen dieselben mit den im Frühjahr auftretenden und dann auch etwas compacter gewordenen Thieren in allen übrigen Körpermerkmalen überein, was ich im Laufe des Sommers 1877 auf die Weise festgestellt habe, dass ich die eben geborenen jungen Thiere mit einer Anzahl im Frühjahr gesammelter und in Canadabalsam aufbewahrter überwinterter Thiere verglich.
Die Entwickelungsdauer von dem Zeitpunkte an, wo das überwinterte Thier sich in die Blattfalten drängt, bis zu der Zeit, in welcher die geflügelte Nachkommenschaft desselben die Galle verlässt, beträgt circa zwei Monate. 1876 sah ich am 24. April die ersten Thiere an den her-
*) Koch's Beschreibung der Flügel p. 287 und 289, sowie die Abbildung Tafel L. Fig. 358 stimmt nicht überall mit den von mir damit verglichenen Exemplaren überein, insbesondere nicht die Länge der dritten Schrägader und die Form der Spitzenader.


