man zuerst an den deutlich markirten Grenzlinien der Leibesringe in Form von weissen Pünkt- chen.— Bald nach der vierten Häutung fängt das Thier an, Junge zur Welt zu bringen, deren Anzahl, je nachdem ihm die Galle mehr oder weniger Nahrung bietet, bis über 40 steigen kann. In den Gallen auf üppigen Bhittern fand ich immer viel mehr junge Thiere als auf mageren. Das Thier setzt das Zeugungsgeschäft etwa vierzehn Tage lang fort, wobei sein Hinterleib in der letzten Zeit nach und nach einschrumpft, und stirbt dann langsam ab. Den wiederholt von mir beobachteten Zeugungsprocess und die allmählige Vermehrung der Jungen will ich an einem Beispiel beschreiben: Am 31. Mai 1875 öffnete ich eine Galle in der Weise, dass ich den oberen Theil derselben deckelartig durchschnitt. In derselben sah ich das Mutterthier mit seinen vier abgestreiften Häuten und drei Jungen. Ich deckte die Oeffnung wieder zu und legte das Blatt, an welchem die Galle war, auf die feuchte Erde eines Blumentopfes. Nach circa einer Stunde, während welcher Zeit ich andere Gallen untersuchte, sah ich dieselbe wieder nach, wobei ich an dem Hinterleib des saugenden Mutterthieres eine Hervorragung bemerkte. Diese Erscheinung war mir neu; ich behielt sie unter der Loupe; die Hervorragung wurde immer grösser, und nach 5 Minuten trennte sich ein ellipsoidisches ganz glattes Körperchen los. Nach 2 Minuten zeigte sich an der linken Seite des Vordertheiles desselben der Anfang eines Fadens, der immer grösser wurde, bis ich endlich darin den linken Fühler des jungen Thieres erkannte. Beim Drehen der Galle bemerkte ich auch den rechten Fühler, einige Minuten später sah ich ferner, wie sich die Beinchen ausstreckten. Das Thierchen fing dann an, eine langsame kreisförmige Bewegung auf derselben Stelle zu machen, der dann bald ein Fortbewegen in grader Richtung folgte. Die Geburt und die Vorbereitungen zur Ortsveränderung(Abstreifen der Embryohaut) waren voll- endet. Das junge, glashelle Thier war etwa ½¼ kleiner als die drei anderen seiner Geschwister, von denen das grösste gegen 1 mm messen konnte. Ich deckte die Oeffnung der Galle zu und legte das Blatt wieder auf die feuchte Erde. Nach einer Stunde waren 6, am anderen Morgen (1. Juni) 11, am 2. Juni Nachmittags 24 und am 3. Juni 26 Junge und eine Anzahl Häute der erstgeborenen Thiere in der Galle, welche selbstyerständlich schon welk geworden und desshalb zur Ernährung der Insassen und Fortsetzung meiner Beobachtungen untauglich geworden war. Die erste Häutung der jungen Thiere erfolgt also nach drei bis vier Tagen, die wasserhelle Farbe derselben geht bald in’'s Grüne über, was sich mit der Zeit am Bruststück in's Grau- grüne am Hinterleibe in's Schwarzgraue verwandelt. Wie vielmal sich die Thiere häuten, kann wegen des verschiedenen Alters und der Menge derselben nicht festgestellt werden. Im Laufe der Entwickelung bedecken sich dieselben mit einem Wollhaarkleide, das bei der Entstehung sich als weisse Punktreihen zwischen den Leibesringen zeigt und nach jeder Häutung grösser wird. (Die Haare sind an den abgestreiften Häuten, jedoch nicht an den ersten, ganz deutlieh zu er- kennen). Zuletzt erreichen die einzelnen Haare vollständig die Linge des ganzen Körpers und stehen senkrecht in die Höhe, was einem einzeln sitzenden Thiere ein schönes Aussehen gibt. Je grösser die Familie wird, desto mehr verliert durch die gegenseitige Berührung der Thiere die Regelmässigkeit des Wollpelzes. Ein grosser Theil der abgestreiften wolligen Körperhäute wird mit der Zeit durch die Bewegungen der an der Innenwand der Galle sich nährenden Thiere am Grunde derselben zu einem kleinen Knäuel zusammengeballt.— Nach der wievielten Häu- tung der Puppenzustand der Larven beginnt, lässt sich ebenfalls nicht bestimmen. Die ersten Anfänge der Flügel erscheinen als kleine Anschwellungen am Bruststück, später erkennt man deutlich die Form der zusammengelegten Flügel als glashelle Hervorragungen, welche mit ihrem hinteren spitzen Ende vom ersten Hinterleibsringe abstehen, nicht dicht anliegen. In diesem Stadium ist das Thier etwas über 2 mm lang und sieht am Hinterleib schwarzgrau, am Brust- 1*¾
Aufsatz
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
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