Aufsatz 
Die Lebensgeschichte der auf Ulmus campestris L. vorkommenden Aphiden-Arten und die Entstehung der durch dieselben bewirkten Missbildungen auf den Blättern / von Hermann Kessler
Entstehung
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2 Die dabei vergleichend benutzten Schriften sind folgende: De Geer, Abhandlung zur Geschichte der Insekten. Aus dem Französischen übersetzt von Götze. Nürnberg 1780. Bd. III. Th. Hartig, Versuch einer Eintheilung der Pflanzenläuse nach der Flügelbildung. Germar, Zeit- schrift für Entomologie. Bd. III. 1841. J. H. Kaltenbach, die Pflanzenläuse aus der Klasse der Insekten. Stuttgart 1874. C. L. Koch, die Pflanzenläuse getreu nach dem Leben abgebildet und beschrieben. Nürnberg 1857. Ratseburg, die Forstinsekten. III. Theil. F. Rudon, die Pflanzengallen Norddeutschlands und ihr Erzeuger. Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 29. Jahr(1875).

Tetraneura ulmi L.

Beobachtet man im Frühling zu der Zeit, wann die Knospen der Bäume und Sträu- cher im Anschwellen begriffen sind, die Zweige von Ulmus campestris L., so bemerkt man an denselben kleine, glänzend schwarze, 1 mm grosse, längliche, hinten etwas breitere und fast abge- stutzte, ungeflügelte Thierchen, welche in der Nähe der Knospen sitzen, als ob sie die Entfaltung derselben abwarten wollten. Kaum ist der Rand des ersten Blättchens über den Deckschuppen der Knospe sichtbar, so begibt sich eins derselben an die grüne Stelle und beginnt da seine Thätigkeit. Ihm folgen im Laufe der nächsten Tage, während welcher die übrigen Knospen- blättchen zu ihrer Entfaltung auch hervortreten, die andern Bundesgenossen, um sich in die Falten der zarten Blättchen zu drängen und da das geheime Geschäft ihres Vorgängers ebenfalls an- zufangen. Worin dieses Geschäft besteht, kann man zunächst nicht sehen. Erst dann, wann die Flächen der jungen Blättchen in der Ausbreitung begriffen sind, sieht man an röthlichen oder rothen Stellen die Folgen der bisherigen Thätigkeit der Eindringlinge. Je nachdem die Thiere hier kürzere oder längere Zeit gewirht Uahen. sind dann die rothhen Stellen auf der Blattfläche kleiner oder grösser. Auf der Oberseite derselben bilden sich zwischen den Sei- tenrippen nach und nach von allen Seiten her geschlossene Ausstülpungen des Blattgewebes als Wohnort für die Thiere. Diese Ausstülpungen, Gallen, haben je nach der Grösse und Ueppig- keit des Blattes selbst verschiedene Grösse und Form, bald sind sie ganz rund, bald länglich rund; die Durchnittsform ist die Eiform mit einem Längendurchmesser bis zu 1 cm(Fig. 1). Die Blätter mancher Bäume sehen dann, wenn sie in hohem Masse davon befallen sind, aus, als wären sie mit grünen Nüssen besäet, deren Menge manchmal so gross ist, dass durch ihr Gewicht Zweige und Aeste sich nach unten neigen. Ist die Galle fertig, d. h. vollständig geschlossen, so ist das Thier für immner von der Aussenwelt abgeschlossen, es hat sich mit derselben eine Woh- nungs-, Nahrungs-, Fortpflanzungs-, ja auch gleichzeitig seine Grabstätte selbst hergestellt. Hier wächst es rasch und häutet sich innerhalb vierzehn Tagen viermal. Die erste von den vier abgestreiften Häuten, welche man immer in dem unteren Theil der Galle findet, ist schwarz(von ihr rührt also die bisherige Farbe des ganzen Thieres her); von den drei nachfolgenden Häuten ist dagegen der Theil des Rumpfes weiss, die Theile vom Kopf, den Fühlern und Beinen aber schwarz. Das Thier selbst sieht nach der ersten Häutung weisslichgrün aus, nach der zweiten rein grün, wie die Galle, wird dann immer dunkeler, so dass es nach der vierten Häutung grün- grau aussieht. Alsdann ist es etwas über 2 mm lang, fast ebenso breit und dick, also fast kugelig. mit erhabenen Randkanten der Hinterleibsringe. Der Hinterleib bedeckt sich nach und nach mit einem weissen, kurzhaarigen, staubartigen F laum. Die Anfänge zu diesem Flaum sieht