Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

Dinge ohne jeden Zusatz angegeben; doch verhütet gewöhn- lich der scharf ausgesprochene Gegensatz zur räumlich-zeit- lichen Erscheinung oder die Betonung der Idealität der An- schauungsformen jedes Missverständnis. Stellen, die eine Unklarheit enthalten, sind selten und ohne Zwang richtig zu interpretieren.

Doch affizieren uns auch ausdrücklich Dinge an sich!, unbekannte Objekte?²; die Möglichkeit der Erscheinungen beruhtz auf dem Verhältnisse gewisser an sich unbekannter Dinge zu unserer Sinnlichkeits; die Sinnlichkeit wird auf die ihr eigentümliche Art von Gegenständen, die ihr an sich selbst unbekannt und von den Erscheinungen ganz unter- schieden sind, gerührt. 4

Sonst verwendet Kant in den späteren Abschnitten der Kritik mit Vorliebe mehr abgeblasste Ausdrücke und spricht von einem(unbekannten) Etwas, von einem Substratum der äusseren Erscheinung, das unsere Sinne affiziert; von dem Etwas, dem Intelligiblen, dem transscendentalen Objekt, das den äusseren Erscheinungen zu Grunde liegt; von dem unbe- kannten Gegenstande unserer Sinnlichkeit, der die Ursache der Vorstellung ist.

Wie wenig er sich aber an eine Regel bindet, beweisen die schon angeführten Stellen?, wo die Empfindungen doch wieder auf Dinge an sich, unbekannte Objekte, wirkliche, äussere Gegenstände zurückgeführt werden; ebenso wie um- gekehrt schon in der transscendentalen Ksthetik von einem Korrelatum der äusseren Gegenständeé, von dem unbekannten Etwas: gesprochen wird, durch das wir affiziert werden, und auch sonst schon früh ein leiser Ton des Zweifels mitklingt, ob mit der Annahme affizierender Gegenstände schon das letzte Wort gesprochen sei. r. 182

² Kr. 305.

3 Pr. 64.

4 Pr. 100.

5 Kr. 182. 305; Pr. 100; ausserdem Kr. 316. 328.

6 Kr. 57.

7 Kr. 67/8. 8 Kr. 55: Gehen wir von der subjektiven Bedingung ab, unter