Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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Kant mit ihm einverstanden erklären und tut es auch. Raum und Zeit, samt allem, was sie in sich enthalten, sind nicht die Dinge oder deren Eigenschaften an sich selbst, sondern gehören bloss zu Erscheinungen derselben; bis dahin bin ich mit jenen Idealisten auf einem Bekenntnis.¹

Etwas anderes aber ist es, wenn nun Berkeley den Raum für eine blosse empirische Vorstellung ansieht, die ebenso wie die Erscheinungen in ihm uns nur vermittelst der Erfahrung oder Wahrnehmung bekannt werde; wenn er also den Raum etwa wie Farbe und Geschmack unter die Empfindungen rechnet; denn damit macht er die ganze Er- fahrung zu nichte, spricht ihr jede Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit, jede Objektivität ab und verwandelt sie in ein rein subjektives Gebilde, in lauter Schein, während bei Kant Raum und Zeit(in Verbindung mit den reinen Verstandesbegriffen) a priori aller möglichen Erfahrung ihr Gesetz vorschreiben, welches zugleich das sichere Kriterium abgiebt, in ihr Wahrheit von Schein zu unterscheiden. ²

Aber noch in einem anderen Punkte sucht Kant seinen transscendentalen Idealismus gegen jede Verwechslung mit dem Berkeleys zu schützen, nämlich in Bezug auf die in intellektuellem Sinn äussere Ursache der räumlichen Gegen- stände. Berkeley leugnet eine solche, Kant erklärt sie für vorhanden, aber in jeder Hinsicht unerkennbar. So ist denn Kants Absage an den Idealismus auch in diese Form gekleidet: 3 es falle ihm gar nicht ein zu behaupten, wie es der Idealismus tue, dass es keine andere als denkende Wesen gebe, und dass die Dinge, die wir in der Anschauung wahrzunehmen glaubten, nur Vorstellungen in den denkenden Wesen seien ohne korrespondierenden Gegenstand, also Ein- bildungen. Vielmehr sage er: es seien uns Dinge als ausser uns befindliche Gegenstände unserer Sinne gegeben, die Sachen, die wir uns durch Sinne vorstellten, seien wirklich, er gestehe, dass es ausser uns Körper gebe; nur was diese

¹ Pr. 165; vgl. dazu Kr. 74. 208. ² Pr. 165. 166. 2 r. 67. 68. 71. 72.