Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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stellen. ¹Auf die Frage, wie in einem denkenden Subjekt überhaupt äussere Anschauung möglich sei, ist es keinem Menschen möglich, eine Antwort zu finden, und man kann diese Lücke unseres Wissens niemals ausfüllen, sondern nur dadurch bezeichnen, dass man die äusseren Erscheinungen einem transscendentalen Gegenstande zuschreibt, welcher die Ursache dieser Art Vorstellungen ist, den wir aber gar nicht kennen noch jemals einigen Begriff von ihm bekommen werden.²

Ist es nun nicht ein Widerspruch, die Erkennbarkeit alles UÜbersinnlichen zu leugnen und in einem Atem wieder einerlei, ob mehr oder weniger abstrakt eine intelligible Ursache der äusseren Anschauung anzunehmen, die doch, wenn sie völlig unerkennbar ist, auch ihrem Dasein nach nicht er- kennbar ist? Es könnte so scheinen, zumal Kant verschie- dentlich das Vorhandensein unabhängiger Gegenstände auf das nachdrücklichste bejaht; ³ ja, es eine völligeUngereimt- heit nennt, gar keine Dinge an sich einzuräumen. Aber ein Widerspruch läge doch nur dann vor, wenn Kant irgend- wo irgendwelches Wissen? von dem Dasein unabhängiger Gegenstände behauptete und nicht vielmehr an den ange- führten Stellen seine eigene, persönliche Auffassung aus- spräche. Der Begriff des Noumenon ist ein Grenzbegriff: unser Wissen ist auf Erfahrung beschränkt; jenseits der Erfahrungsgrenze ist ein Wissen, ob in positivem oder nega- tivem Sinne, ausgeschlossen. Doch ist es wohl möglich, die unumgängliche Frage nach der Ursache der Empfindungen, die theoretisch nicht unanfechtbar zu beantworten ist, nach persönlicher Überzeugung zu beantworten; und diese geht bei Kant aus Gründen praktischer Natur dahin, das Dasein unabhängiger Aussendinge zu bejahen.

¹ Kr. 321.

² Kr. 330.

3 Pr. 67. 68. 71. 72. Vgl. auch die Beseitigung des Widerspruchs in der dynamischen Klasse der Antinomie.

4 Pr. 137. 5 vgl. diese Arbeit IIg.