Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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Ansicht von der Grundlage der Empfindung massgebend be- einflussen; und zwar ebenso allmählich, wie diese Umwand- lung selbst nach und nach erfolgt.

Für den naiven Realismus bedeuten unsere äusseren Vorstellungen die Gegenstände an sich; Gegenstand und Vor- stellung fallen zusammen. Dass dies ein Widerspruch in sich selbst ist, beachtet er nicht. Von seinem Standpunkte aus sind die Gegenstände der Erfahrung die Ursache der Empfindungen.

Diese Auffassung ist unhaltbar; denn die Lösung des Problems bezüglich der mathematischen Erkenntnisse ergibt den subjektiven Ursprung und die subjektive Geltung der Anschauungsform. An die Stelle der Erfahrungsgegenstände als Ursache der Empfindungen treten Dinge an sich. Deren Dasein gilt einstweilen noch für gewiss; denn wir haben ja, wie es scheint, noch begriffliche Erkenntnis von ihnen.

Aber auch das ist unrichtig. Die Lösung des Problems bezüglich der reinen Naturwissenschaft ergibt den subjek- tiven Ursprung und die subjektive Gültigkeit der Begriffe, die nach einem Verzicht auf alle Anschauung keinen Gegen- stand mehr erkennen lassen, sondern nur noch inhalts- leere Denkformen sind; und so werden die Dinge an sich, die uns eben noch als eine Vielheit realer Substanzen gegen- überzustehen schienen, zu einemSubstratum äusserer Er- scheinungen, zu einemunbekannten Etwas, zu dem gänz- lich unbestimmtentransscendentalen Objekt, zu einem Korrelatum der Sinnlichkeit, zu derintelligiblen Ursache, die der Sinnlichkeit korrespondiert.

Und selbst damit ist der kritischen Vernunft noch nicht Genüge getan: wir wagen uns immer noch über die Er- fahrung hinaus und gebrauchen zum mindesten die Begriffe des Daseins und der Kausalität über die Erfahrungsgrenze hinaus. Auch das muss von rechtswegen unterbleiben: die Dinge an sich sind Noumena, aber imnegativen Verstande. Wir müssen uns bescheiden undwerden es uns nicht ein- mal einfallen lassen, über die Gegenstände unserer Sinne nach demjenigen, was sie an sich selbst, d. i. ohne alle Beziehung auf die Sinne sein mögen, Erkundigung anzu-