Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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von den Noumenen im negativen Verstande, d. i. von Dingen, die der Verstand sich ohne diese Beziehung auf unsere An- schauungsart, mithin nicht bloss als Erscheinungen, sondern als Dinge an sich selbst denken muss, von denen er aber in dieser Absonderung zugleich begreift, dass er von seinen Kategorien, in dieser Art sie zu erwägen, keinen Gebrauch machen könne.¹¹

Wie wir vorher unsere sinnlichen Anschauungsformen nicht auf die Noumena anwenden durften Noumena sind Gegenstände des reinen Verstandes so ist uns jetzt auch die Möglichkeit genommen, sie vermittelst der Kate- gorien zu erkennen; denn ohne Anschauung reichen die Kategorien zur Bestimmung irgend eines Objektes nicht aus. Folglich haben wir von den Noumena gar keine Erkenntnis, weder Anschauung noch Begriff,2 und sind genötigt, sie unter dem Namen eines unbekannten Etwass zu denken, als ein Etwas überhaupt ausserhalb unserer Sinnlichkeit, als einganz unbestimmtes Verstandeswesen.4 Das Noumenon in diesem Sinne ist also gleich dem transscendentalen Objekt, und dies bedeutet ein Etwas= x, wovon wir gar nichts wissen noch überhaupt(nach der jetzigen Einrichtung unseres Verstandes) wissen können;? ein Etwas, von dem wir gar keinen Begriff haben, als bloss von dem Gegenstand einer sinnlichen Anschauung überhaupt, der also für alle Er- scheinungen einerlei ist. 6

Nicht einmal, dass es ist, dieses unbestimmte Etwas ausser uns, dürfen wir behaupten. Denn der Grund der Erscheinung könnte ja auch in verborgenen Quellen unseres Selbst zu finden sein; und da es uns nicht einmal gegeben ist, unser eignes Gemüt mit einer anderen Anschauung als der unseres inneren Sinnes zu beobachten, so werden wir das im Gemüt liegende[mit dem Wesen des Gemüts auf das engste ver-

¹ Kr. 685. 2 Kr. 256. 3 Kr. 236. 233. 4 Kr. 685. 5 Kr. 232. 6 Kr. 234. 2*