Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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anderen übergegangen, zu den nachfolgenden herüberzurufen und so ganze Reihen derselben darzustellen, d. i. ein re- produktives Vermögen der Einbildungskraft.!

Diese Reproduktion nun muss nach einer Regel ver- laufen; denn wenn Vorstellungen unterschied- und regellos einander reproduzierten, so könnten wohl in buntem Wechsel allerlei Anhäufungen von Vorstellungen entstehen, aber eine bestimmte Erkenntnis käme nie zustande.? Die apprehen- dierende Einbildungskraft führt, wie die Erfahrung lehrt, zu einem bestimmten Ergebnis, nämlich zu einer einheitlichen Varstellung, die in ihrer Einheit die nach und nach appre- hendierten und dann wieder reproduzierten Stücke zusammen- fasst und ihren verstandesmässigen Ausdruck in dem all- mählich zur Klarheit sich entwickelndenBegriffe findet. Diese Einheit aber ist nur möglich, wenn wir uns nach ge- schehener Reproduktion der Identität der vorher apprehen- dierten und jetzt wieder reproduzierten Vorstellungen bewusst sein können. Ein solches Bewusstsein der Identität wiederum wäre unerklärlich, wenn die bereits apprehendierten Vor- stellungen nicht nach einer bestimmten Regel reproduziert würden; denn nur dann kann ich gewiss sein, dass mir nichts anderes an Stelle des vorhin Apprehendierten durch die Reproduktion untergeschoben wird. Nun gibt es ein empi- risches Gesetz,nach welchem Vorstellungen, die sich oft gefolgt oder begleitet haben, mit einander endlich vergesell- schaften und dadurch in eine Verknüpfung setzen, nach welcher auch ohne die Gegenwart des Gegenstandes eine dieser Vorstellungen einen Übergang des Gemütes zu der anderen nach einer beständigen Regel hervorbringt.³ Mit- hin liegt eine geregelte Reproduktion immer dann vor, wenn die reproduzierende Vorstellung und die von ihr reproduzierte associiert gewesen sind.Den subjektiven und empirischen Grund der Reproduktion nach Regeln nennt man die Asso- ciation der Vorstellungen.4

1 Kr. 131. 2 Kr. 131. 3 Kr. 116. 4 Kr. 131.