Aufsatz 
Kants Ansicht von der Grundlage der Empfindung und Anschauung : im Anschlusse an die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena / von A. Kessler
Entstehung
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wusstseins in der Synthesis des Mannigfaltigen der Vor- stellungen. Alsdann sagen wir: wir erkennen den Gegen- stand, wenn wir in dem Mannigfaltigen der Anschauung synthetische Einheit bewirkt haben.¹

Jeder Gegenstand der Anschauung enthält ein Mannig- faltiges, ist also nicht in einem Augenblick in das Bewusst- sein gekommen, sondern nach und nach;denn als in einem Augenblick enthalten, kann jede Vorstellung niemals etwas anderes als absolute Einheit sein.² Anqdererseits tritt dieses Mannigfaltige in gewisser Weise zusammengefasst auf, mit- einander in einer Vorstellung verbunden. Diese Zusammen- fassung kann nun nicht durch die Eindrücke von aussen mit- gegeben sein, sondern ist von dem Subjekt in der Zeit vollzogen. ¹ Dieses hat also zweierlei zu leisten: es muss erstens die ein- zelnen von aussen gegebenen Eindrücke in der Zeit nach- einanderdurchlaufen, sie auffassen und zweitens siezu- sammennehmen, d. h. zu einer einheitlichen Anschauung zusammenfassen. Eine derartige vom Subjekt ausgeübte Synthesis des Mannigfaltigen nennt Kant die Apprehension; sie stellt die eine Seite der Einbildungskraft dar, die produk- tive, Erscheinungen bildende.Es ist in uns ein tätiges Vermögen der Synthesis des Mannigfaltigen, welches wir Einbildungskraft nennen, und deren unmittelbar an den Wahrnehmungen ausgeübte Handlung ich Apprehension nenne. Die Einbildungskraft soll nämlich das Mannigfaltige der An- schauung in ein Bild bringen. Vorher muss sie also die Ein- drücke in ihre Tätigkeit aufnehmen, d. i. apprehendieren.

Es ist aber klar, dass diese Tätigkeit der Einbildungs- kraft einer Ergänzung bedarf. Denn wenn ich bei dem Fort- gange der Apprehension die apprehendierten Teile nicht jeder- zeit wieder reproduzierte, so würde niemals eine ganze Vor- stellung entspringen.6 Es muss ein subjektiver Grund da sein,eine Wahrnehmung, von welcher das Gemüt zu einer

1 Fr. 119.

2 Kr. 115.

³ Kr. 115. 130. 658.

4 Kr. 115.

Kr. 130. 6 Kr. 117.