Aufsatz 
Lehrpläne für den Unterricht in der christlichen Religionslehre und im Deutschen
Entstehung
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an beschränkt sich die Vorbereitung des Themas auf die gemeinsame Zusammenstellung und Einteilung des Stoffes, während die Wahl des Ausdruckes ganz dem Nachdenken des Schülers überlassen bleibt.

In den Aufsätzen ist auf leserliche Handschrift und saubere Darstellung, auf grammatisch richtigen und deutlichen Ausdruck, auf Klarheit der Begriffe und gehörige Ordnung zu halten. Auf jeder Stufe sind die Schüler nicht bloss zu logisch richtiger, sondern auch zu geschmackvoller Darstellung anzuleiten. Zu den Forderungen des geschmackvollen Stils gehört u. a. die Ver- meidung von Wiederholungen desselben Ausdrucks, Abwechselung in der Wortfolge, Abwechselung zwischen kürzeren und längeren Sätzen und in den oberen Klassen Anwendung der Perioden. Das Wichtigste über Tropen und Figuren ist in Secunda zu lehren.

Für die Beurteilung vonseiten des Lehrers bleibt die Thatsache massgebend, dass es sich um Schülcrarbeiten handelt; alle verletzenden Bemerkungen wie Unsinn, Blödsinn, Gewäsch, sind zu vermeiden. Fleissige Arbeiten sind unter Anerkennung der vom Schüler aufgewandten Sorgfalt mit Nachsicht, flüchtige dagegen mit Strenge zu beurteilen; besonders leichtfertige Arbeiten, die sich schon äusserlich als solche kennzeichnen, sollen gar nicht korrigiert, sondern zur noch- maligen Anfertigung zurückgegeben werden. Nur Falsches wird vom Lehrer korrigiert, nicht aber jeder Ausdruck, der vielleicht durch einenschöneren ersetzt werden könnte. Denn die Korrektur hat nicht den Zweck, einen tadellosen Musteraufsatz herzustellen; sie soll die Mängel rügen und zugleich auf die Sprach- und Denkgesetze aufmerksam machen. Für den Schüler beruht der Hauptgewinn auf dem, was der Korrektur vorausgeht, auf der geistigen Arbeit, welche er auf die Herstellung des Aufsatzes verwendet. Die grammatischen, orthographischen und Inter- punktionsfehler hat er am Rande zu verbessern, allenfalls noch leicht erkennbare Fehler des Ausdrucks; die übrigen Mängel verbessert der Lehrer, soweit dies unter möglichster Beibehaltung des ursprünglichen Textes geschehen kann, anderenfalls genügt eine deutliche Kennzeichnung des betreffenden Fehlers. Um dem Schüler das Verständnis der Korrektur zu erleichtern, sollen für die verschiedenen Arten von Fehlern verschiedene Zeichen angewendet, grammatische Fehler

etwa mit einem Kreuz(T†), orthographische mit einem Horizontal, Interpunktionsfehler mit einem Vertikalstrich, falscher Ausdruck mit A, schlechte Verbindung mit V, lückenhafter Zu- sammenhang mit Z u. s. w. bezeichnet werden. Von besonders wichtigen und häufiger auf-

tretenden Fehlern lege sich der Lehrer während der Korrektur ein übersichtliches Verzeichnis an und bespreche dieselben vor der Rückgabe der Aufsätze mit der ganzen Klasse. Alle Aufsätze einzeln zu besprechen kostet zu viel Zeit. Es genügt, wenn etwa zwei der schlechteren und zwei der mittleren Arbeiten durchgesprochen, zwei der besseren vorgelesen werden. Doch nenne man die Namen der Verfasser erst zuletzt, weil sonst das Interesse aufhört ein sachliches zu sein.

D. Die Pensa der einzelnen Klassen. Die nachstehende Zusammenstellung der Klassenpensa wird mit hinreichender Bestimmtheit drei verschiedene Stufen erkennen lassen, indem das Pensum je zweier aufeinander folgender Klassen Sexta und Quinta(untere), Quarta und Tertia(mittlere), Secunda und Prima(obere Stufe) für

sich ein engeres Ganzes bildet. Sexta. a) Grammatik: Deklination der Haupt- und Eigenschaftswörter, Steigerung der letzteren,

Konjugation des Zeitworts im Indikativ des Aktivs, das Zahlwort; die Lehre vom nackten Satz und dessen Erweiterung durch Attribute, das nähere und das entferntere Objekt;