Aufsatz 
Lehrpläne für den Unterricht in der christlichen Religionslehre und im Deutschen
Entstehung
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Gelegenheit. Aber Zweifelsucht, oberflächliche und absprechende Kritik sind gerade der Jugend am gefährlichsten, und darum ist jede allgemeine Erörterung vom Aufsatz auszuschliessen, welche die Gefahr einer solchen Verirrung bietet.

Nur die Bearbeitung eines konkreten, in der Schule gehörig vorbereiteten Themas wird hier dem Schüler gelingen; und wenn etwa dem Schüler die in einem Sprichwort enthaltene sittliche Wahrheit durch einen Aufsatz zu Gemüte geführt werden soll, so werden ganz bestimmte Beispiele den Hauptinhalt bilden, aus welchen sich dann die allgemeine Wahrheit von selbst ergiebt. Hier, wie überall im Unterricht der Realschule, soll das Allgemeine das Endaiel, nicht den Ausgangspunkt der Behandlung bilden. Auch die Form der brieflichen Darstellung ist in den Bereich des stilistischen Unterrichts zu ziehen. Es empfiehlt sich, in Quarta und Tertia einige postfertige Briefe anfertigen zu lassen, in Secunda die nötigsten Belehrungen über die äusseren Formen bei Eingaben an Behörden zu erteilen.

In Sexta und dem ersten Halbjahr der Quinta wechseln Diktat- und Abschreibeübungen wöchentlich ab. Es empfiehlt sich, an Stelle der Diktate auch die Niederschrift memorierter prosaischer und poetischer Abschnitte treten zu lassen, welche zu diesem Zwecke sorgfältig aus- zuwählen sind. Das Niederschreiben bestimmter Abschnitte aus dem Gedächtnis ist in Sexta mehrfach bis zu völliger Sicherheit in der Orthographie zu wiederholen. Erst im zweiten Halb- jahre der Quinta werden kleinere Aufsätze angefertigt, welche sich auf die Wiedergabe leichterer Fabeln und Erzäühlungen beschränken. Dieselben werden erst vom Lehrer vorerzählt, dann von den Schülern, und zwar zunächst von den sprachgewandteren, wiedergegeben und endlich nieder- geschrieben. In Quinta tritt die prosaische Wiedergabe leicht aufzufassender Gedichte hinzu; das Diktat zieht bereits die Hauptregeln der Interpunktion in Betracht.

Für Quarta bilden poetische Erzählungen, Balladen, Legenden, Parabeln, ferner die antike Sagengeschichte und geschichtliche Anekdoten geeigneten Stoff. Beschreibungen von Gegen- ständen der Kunst und der Natur verlangen die für den Schüler schwierigere logische Ordnung des Nebeneinander. Sie sind daher in dieser wie in den folgenden Klassen nicht zu oft und nur nach besonders sorgfältiger Vorbereitung aufzugeben.

In Tertia können ausser Balladen von Uhland auch grössere Dichtungen des Lesebuchs in freierer Weise, zuweilen mit veränderter Disposition wiedergegeben werden. Stoffe aus der deutschen Sage und Geschichte, Schilderungen eigener Erlebnisse, bekannter landschaftlicher Punkte, der Jahreszeiten u. dgl. treten hinzu. In Secunda wird das eigene Nachdenken der Schüler für die Sammlung und Gliederung des Stoffes stärker als bisher in Anspruch genommen; der Aufsatz ist unter Anleitung des Lehrers genau zu disponieren. Die Themen schliessen sich an Schiller'sche Balladen,(Bürgschaft, Taucher, Handschuh, Kampf mit dem Drachen), behandeln das Verhältnis des Menschen zu den Wesen und den Kräften der Natur, wichtige Erfindungen und Entdeckungen.

Für Prima bieten die gelesenen Dramen von Lessing, Schiller, Göthe reichen Stoff. Es treten hinzu geschichtliche und geographische Parallelen, die verschiedenen Stufen des Kultur- lebens mit Anschluss an die betreffenden Gedichte von Schiller.

In allen Klassen ist die Aufgabe so sorgfältig vorzubereiten, dass der Schüler das Vertrauen auf das Gelingen seiner Arbeit gewinnt. In den unteren Klassen müssen sogar schwierigere Redewendungen, Verbindungen und UÜbergänge vom Lehrer angedeutet werden; von Secunda