Aufsatz 
Lehrpläne für den Unterricht in der christlichen Religionslehre und im Deutschen
Entstehung
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Die Hauptpunkte der Glaubens- und Sittenlehre werden auf der Oberstufe behandelt, aber nicht durch dialektische Betrachtung systematisch entwickelt, sondern auf Grund der gelesenen Schriftstellen zusammengefasst. Die Methode des Unterrichtes ist die induktive. So hat z. B. in der biblischen Geschichte jeder allgemeinen Betrachtung und zusammenfassenden Übersicht die konkrete Anschauung be- stimmter Einzelbilder voranzugehen, welche den Schülern lebhaft vor die Seele zu führen und fest einzuprägen die nächste und wichtigste Aufgabe des Lehrers ist. Alles was gelernt werden soll, ist vorher in der Schule gründlich vorzubereiten, und jene geistlose, den Schüler erdrückende Art des Unterrichts zu vermeiden, welche einfach in Aufgeben und Abfragen besteht. Gerade im Religionsunterricht hat der Lehrer seine ganze persönliche Kraft einzusetzen und nicht nur seine methodische und didaktische Kunst zu bewähren, sondern vor allen Dingen durch das eigene Beispiel die Jugend zu ächter, aufrichtiger Gottesfurcht emporzuheben. Der Unterricht gliedert sich in drei, dem Lebensalter und der Fassungskraft der Schüler angepasste Stufen und umfasst: biblische Geschichte, Kirchenlied und Psalmen, Katechismus, Bibelkunde, Kirchengeschichte, Glaubens- und Sittenlehre. Die biblische Geschichte ist nicht in systematischer Folge, sondern in konzentrischen Kreisen zu behandeln. Es ist also nicht ab ovo, etwa mit der Schöpfungsgeschichte der erste Unterricht zu beginnen, sondern mit denjenigen Erzählungen aus dem alten Testament, welche dem kind- lichen Verständnis besonders nahe liegen. Das für die unteren und mittleren Klassen der Realschule eingeführteLehrbuch für den evangelischen Religionsunterricht von Otto Schäfer bezeichnet die für diesen Unterrricht massgebenden Gesichtspunkte und trifft auch im allgemeinen richtig die für die einzelnen Stufen passende Wahl, von welcher bei der unten folgenden Verteilung nur in wenigen Punkten abge- wichen ist. Bei der methodischen Behandlung jeder einzelnen Geschichte ist folgendes Verfahren einzuhalten: 1. Die Geschichte werde frei, lebendig und anschaulich vom Lehrer erzählt. Die Aus- drucksweise schliesse sich möglichst an das eingeführte Lehrbuch an; die Aussprüche Jesu erzähle man mit den im Buche gross gedruckten Worten der Bibel.

2. Nachdem die Geschichte erst ganz, dann in Abschnitten vorerzählt und für etwa schwer verständliche Ausdrücke die nötige Erklärung gegeben ist, überzeuge sich der Lehrer durch passend gestellte Fragen, ob die Schüler die Geschichte verstanden haben. Die Fragen stelle man so, dass möglichst mit den Worten der vorangegangenen Erzählung geantwortet werden kann.

3. Dieser Besprechung folgt das ein- oder zweimalige Lesen der Geschichte vonseiten

der Schüler.

4. Die Geschichte wird erst in Abschnitten, sodann im Zusammenhang zunächst von den reiferen, zuletzt auch von den schwächeren Schülern wiedererzählt. Der Lehrer vermeide das Vorsagen der Wort- und Satzanfänge; ist seine Beihilfe notwendig, so suche er den Schüler auf den Zusammenhang hinzuleiten.

. Zum Schlusse ist der Schüler auf die sittliche Bedeutung der einzelnen Handlungen aufmerksam zu machen. Durch die Hinweisung auf das praktische Leben und durch die Zusammenfassung der sich ergebenden Lehre in einen Spruch oder Liedervers

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