Aufsatz 
Lehrpläne für den Unterricht in der christlichen Religionslehre und im Deutschen
Entstehung
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suche man die Beschäftigung des Schülers mit dem Stoffe über die Schule hinaus zu erzielen.

6. Die so behandelte Geschichte wird von dem Schüler zu Hause durchgelesen, damit er sie in der nächsten Stunde frei erzählen kann. Abgesehen von den gross ge- druckten Stellen ist eine wörtliche Wiedergabe der gedruckten Darstellung nicht zu verlangen.

7. Auf der unteren Stufe zielt der Unterricht auf die Aneignung bestimmt begrenzter Einzelbilder. Auf der mittleren Stufe wird die biblische Geschichte als Heilsgeschichte im Zusammenhang behandelt und tritt unter den höheren Gesichtspunkt der Geschichte des Gottesreiches, seiner Vorbereitung, Stiftung und Entwickelung. Auf der oberen Stufe tritt an die Stelle der biblischen die Kirchengeschichte.

Das Kirchenlied. Zwanzig der schönsten und für den gottesdienstlichen Gebrauch der Gemeinde wichtigsten Kirchenlieder werden auswendig gelernt, wobei dem Gange des Kirchen- jahres zu folgen ist. In jeder folgenden werden die in der vorhergehenden Klasse gelernten Lieder wiederholt, damit sie dem Schüler zu einem festen und bleibenden Eigentum werden, das ihn in und durch das Leben begleitet.

Das Lied werde zuerst ganz, dann strophenweise vom Lehrer vorgelesen oder womöglich frei vorgetragen. Die Erklärung beschränke sich auf schwierige Ausdrücke, die tieferliegenden Gedanken und den Zusammenhang der einzelnen Strophen; sie darf eher zu knapp als zu breit werden. In geeigneten Fällen mag auf die Person des Dichters, sowie die Lebens- und Zeit- verhältnisse, welchen das Lied entsprungen ist, hingewiesen werden(z. B. beiBefiehl du deine Wege). Ist das Lied von den Schülern verstanden, so wird es von ihnen in der Schule erst strophenweise, dann im Zusammenhange laut vorgetragen, wodurch das Memorieren bis zu einem solchen Grade vorbereitet wird, dass die völlige Aneignung einiger Strophen der häuslichen Thätigkeit bis zur nächsten Stunde wohl zugemutet werden darf. Zum Schluss wird das Lied noch einmal als Ganzes zur Wiederholung aufgegeben.

Das Erlernen der Kirchenlieder schliesst auf der Mittelstufe ab, der oberen Stufe fällt nur die Wiederholung zu.

Die Behandlung der Psalmen ist im allgemeinen derjenigen des Kirchenliedes entsprechend, doch erscheint ein Hinweis auf die Eigentümlichkeit der poetischen Form notwendig. Sechs Psalmen werden auswendig gelernt.

In Ermangelung eines Katechismus für Nassau wird das Spruchbuch zu dem früheren nassauischen Landeskatechismus gebraucht. Die fünf Hauptstücke nebst den dazu gehörigen Sprüchen werden auswendig gelernt.

Bei der Erklärung sind weitschweifige Paraphrasen zu vermeiden; in der Regel spricht das Bibelwort schlicht und treffend und bedarf keiner den ursprünglichen Eindruck doch nur abschwächenden Umschreibung. Die Erlernung der Sprüche ist, ähnlich wie beim Kirchenliede, in der Schule gehörig vorzubereiten. Für jede Gruppe von Sprüchen ist am Schlusse der leitende Grundgedanke herauszuheben. Der Katechismus schliesst ebenfalls auf der Mittelstufe ab; auf der Oberstufe findet er seine Ergänzung durch die Glaubens- und Sittenlehre, sowie durch die an die Lektüre der Augsburger Konfession zu schliessende Unterscheidungslehre.