adspiciendi potestatem eriperet. Quis tam esset ferreus, qui eam vitam ferre posset, cuique non auferret fructum voluptatum omnium solitudo?
Wir haben es offenbar im§ 153 mit einer Erinnerung an Lael.§ 87 zu tun, die Cicero an unserer Stelle zu einer Ubertreibung veranlaſst hat.
Der Rest von§ 153 enthalt einen zweiten Grund für den Vorzug der sozialen Pflichten vor denen der Erkenntnis Aber diese Begründung ist so unglücklich, daſs man sie kaum Cicero, geschweige denn Posidonius zutrauen kann. Es wird ſolgendermaſsen argumentiert:„Die erste von allen Tugenden ist die Weisheit. Diese ist die Kenntnis der göttlichen und menschlichen Dinge, in der die Gemeinschaft der Götter und Menschen und die Verbindung unter ihnen selbst enthalten ist. Wenn nun die Weisheit die gröſste Tugend ist, wie sie es sicherlich ist, so ist notwendigerweise die Pflicht die gröſste, die von der Gemeinsamkeit abgeleitet wird.“ Der Schlufs ist also folgender: Der Inhalt des Wissens, das die höchste Tugend ausmacht, ist die Gemeinsamkeit der Götter und Menschen und die Verbindung unter ihnen selbst. Wenn also die Tugend die gröſste ist, die diesen Inhalt hat, so muſs die Pflicht, die von diesem Inhalt hergeleitet wird, die gröſste sein. Cicero schliefst also, als ob seine Definition von sapientia nicht hieſse:„sapientia est scien- tia rerum divinarum et humanarum i. e. communitatis deorum et hominum,“ sondern als ob sie lautete:„sapientia est communitas deorum et hominum.“ Heusinger¹) hat in dem Satze ea si maxima est“ das Pronomen ea nicht auf sapientia, sondern auf communitas et societas bezogen und die Stelle folgendermaſsen erklärt:„Ea societas si maxima est(si latissime patet) ut est certe: necesse est, quod a communitate(quam sine actione tueri nequeas) ducatur officium, id esse maximum. Ita quadrat ratio, quae sequitur. Etenim cognitio cetera.“ Aber Heusinger hat den Zusammenhang des Satzes:„Etenim cognitio contem- platioque etc.- mit dem Vorhergehenden nicht richtig aufgefaſst. Nicht der vorhergehende Satz wird mit etenim begründet, sondern dieses Wort führt einen neuen Grund ein und leitet zu einem neuen Teile über. Wenn aber etenim den vorhergehenden Satz nicht begründet, so besagt unser Satz, wenn wir ea die Heusingersche Beziehung geben, nur, daſs der Pflicht gegen die Allgemeinheit der Vorzug vor der gegen jeden einzelnen gebührt, aber es wird nicht bewiesen, dafs soziales Handeln wertvoller sei als Erkenntnis. Der Gedanke würde dann Fin. III 64 entsprechen, wo es heiſst:„Mundum autem censent regi numine deorum eumque esse quasi communem urbem et civitatem hominum et deorum, et unum quemque nostrum eius mundi esse partem, ex quo illud natura consequi, ut com- munem utilitatem nostrae anteponamus Ut enim leges omnium salutem singulorum saluti anteponunt, sic vir bonus et sapiens et legibus parens et civilis officii non ignarus utilitati omnium plus quam unius alicuius aut suae consulit etc. Ferner versteht man bei der Heusingerschen Auffassung nicht recht, weshalb Cicero in seiner Begründung mit dem Satze beginnt:„Die Weisheit ist die erste aller Tugenden.“ Diese zweite Begründung Ciceros ist also, wie man sie auch auffassen mag, so konfus, daſs sie in dieser Gestalt sicher nicht von Posidonius herrühren kann; ja es ist nicht einmal môglich, einen annehm- baren Gedanken herauszufinden, der in dieser Verwirrung versteckt sein könnte. Nun kann
¹) Vgl. De officiis ed. Heusinger-Zumpt, Braunschweig 1838 zu u. St.


