Aufsatz 
Die Arbeitsweise Ciceros im ersten Buche über die Pflichten
Entstehung
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was hier Cicero tut. Daſs die Erörterung über eines freien Mannes würdige oder unanständige Erwerbszweige zur Disposition nicht stimme, kann ich nicht zugeben. Das Adjectivum ornatus wird wie ein Titel gebraucht und entspricht unsermhochansehnlich, hochgeehrt. Sein Gegenteil ist sordidus. Wenn Cicero also über ornatus ad agendum aptus handelt, so ist recht eigentlich sein Thema von ehrenhaften und unanständigen Geschäften zu sprechen. Auch der dritte Einwand, den Schmekel macht, ist nicht stich- haltig. In II, 24, 86 wird nur gesagt, daſs Panätius im zweiten Hauptteil seiner Schrift über die Pflichten,in his utilitatum praeceptis nicht über den Erwerb gesprochen hat. Also die Erörterung über ehrenwerte und unanständige Erwerbszweige ist hier ganz am Platze und wird auch bei Panätius in diesem Teile über den ornatus ad agendum aptus behandelt sein. Dagegen ist sicher richtig, daſs Cicero ganz selbständig und vom Stand- punkte des vornehmen Römers aus behandelt, welche Tatigkeit ihm aufser der staatlichen für unanständig oder anständig galtu).

Die ganze Abhandlung über die Pflichten, die sich aus den vier Kardinaltugenden ergeben, wird schlieſslich recht dürftig abgeschlossen durch den Satz: Sed ab iis partibus, quae sunt honestatis, quem ad modum officia ducerentur, satis expositum videtur.

Der Gedankengang unseres Abschnittes über das Decorum ist also im wesentlichen folgender: Nachdem der Begriff decorum als Art der Sophrosyne bestimmt ist(§ 93 bis § 99), wird von dem Wesen und den Aufgaben der vierten Kardinaltugend, als der Grundlage des Decorum, gesprochen(§§ 100 104). Die Erörterung über das Decorum selbst zerfällt in zwei Hauptteile. Erstens wird dargestellt, wie jeder Mensch seiner Natur treu bleiben muſs, zweitens wie jede Handlung ihrer Natur gemäſs auszuführen ist. Der erste Teil umfaſst die§§ 105 125, der zweite die§§ 126 149. Im ersten Teile wird gehandelt 1) von dem Decorum, das der Mensch zu wahren hat aus Rücksicht auf die Menschenwürde im Gegensatz zu den Tieren(§ 105 und§ 106), 2) wie jeder seiner eigen- tümlichen Natur treu bleiben muſs(§ 107§ 125). Der zweite Teil beginnt mit§ 126. Dieser Paragraph enthält zugleich die Partitio für diesen Abschnitt. Es soll gesprochen werden von den Forderungen der Formositas, des Ordo, des Ornatus ad agendum aptus. Über die Formositas handeln§ 127§ 141, über den Ordo§ 142§ 149, über den Ornatus ad agendum aptus§ 150 und§ 151. Der Schlufssatz des§ 151 bildet den Abschluſs des Kapitels über das Decorum.

Im ganzen werden die einzelnen Teile scharf von einander abgehoben, nur zwischen § 149 und§ 150 fehlt die scharfe Trennung zwischen zwei Abschnitten durch Schlufs- und Einleitungsformeln.

Ferner ist klar hervorgetreten, daſs Cicero sich eng an die Disposition des Pandtius angeschlossen hat. Diese beruht ganz auf der Entwickelung der stoischen Begriffe 2ποοσο ποέησον, οι⁶εε, eragia und dοννυον½ ornatus ad agendum aptus, und wie mühsam erscheint die Bestimmung dieser Begriffe z. B. der υπσω᷑] der ebrasia, des noeεroy bei Cicero, wie schwer ist es ihm geworden, sie zu erläutern! Aufser in diesen Begriffsentwicklungen schliefst sich Cicero auch sonst im einzelnen zum Teil eng an Pandtius an. Bisweilen aber erweitert er die Vorlage durch eigne Anmerkungen. Solche Zu- sätze Ciceros sind die§§ 94, 95, 97 und 98,§ 103 vonludo autem et ioco uti illo quidem licet bis zum Schlusse des§ 104, ferner§§ 108, 109,§§ 115, 116,§ 120 am Ende, und§ 121,§ 124

¹) Uber die stoische Beurteilung der Erwerbstätigkeit vgl. A. Bonhöffer II. S 235.

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