72
eben nicht Gegenstände, sondern Handlungen, nodeis. Was aber für den Gegenstand im Raume der passende Ort ist, das ist für die Handlung die rechte Zeiti) und so hat eòrasia = draxνοισ πρσαεεων die Bedeutung von tempus actionis oportunum, eùðzaloia, occasio. „So kommt es denn“ fäÄhrt Cicero fort,„daſs unsere modestia, die wir so erläutern, wie ich es gesagt habe, die Kenntnis der zum Handeln geschickten und passenden Zeiten ist“. Hâtte Cicero die griechischen Definitionen stehen lassen, so würde er sagen: So kommt es denn, daſs die Erklärung der eõrasia als ταναοᷣιςα πραsεεemν gleichbedeutend ist mit der Erklärung: sörasia&πιοτνν⁄bũ ꝛNVd were reo, eat vi uerä ri. Der Inhalt des Paragraphen ist also: Es soll jetzt von der ebragia gesprochen werden. Diese ist Su‿eοiα αaνωοσαμοσν aOdsec oder nioriuοαm zτed re rαæ⁰ον eat i uerd ri. Die übrigen Erläuterungen, die er gibt, werden durch die Schwierigkeiten veranlaſst, die eine wörtliche Ubersetzung in das Lateinische für das Verständnis ergibt.
Der§ 143 enthâlt die Feststellung des Unterschieds zwischen eꝰrasia und †Qονπνοτ. Beide fallen zum Teil zusammen; das besondere Merkmal unserer Tugend ist ihr Ziel. Sie will den Tadel der Mitmenschen vermeiden und ihren Beifall gewinnen²). Der Ab- schnitt über die ebrasia reicht bis zum Ende des Paragraphen 149. Der Inhalt dieses Teils ist im wesentlichen folgender: 1. Feststellung des Begriffs edbrasta und seine Scheidung von der Qοννοιςα(prudentia),(§ 142, 143). 2. Beobachtung der rechten Zeit und des rechten Ortes bei unserem Handeln, damit jede Handlung in sich harmonisch dh. ihrer Natur ent- sprechend bleibt(§ 144 und§ 145). 3. Wo unser eignes Gefühl nicht sicher entscheidet, was passend ist oder der Natur unserer Aufgabe wicderstreitet(quid apte fiat, quid ab officio naturaque discrepet), da scllen wir auf andere achten, um von ihren Fehlern oder durch ihre Vorschriften zu lernen(§ 146, 147). 4. Wir sollen niemals die Rücksicht auf andere aus den Augen setzen und insbesondere bei jeder Handlung die Stellung dessen berücksichtigen, mit dem wir es zu tun haben(§ 148, 149). ³)
Nachdem Cicero den zweiten Teil des zweiten Hauptabschnitts erledigt hat, müſste als dritter nach§ 126 eine Erörterung über ornatus ad agendum aptus folgen. Welchen stoischen Kunstausdruck Cicero durch das Substantiv ornatus wiedergibt, kann ich nicht sagen, vieleicht entspricht es dem griechischen edοννυωοσνν Cicero spricht nun in den folgenden §§ 150 und 151 über Betriebe und Erwerbszweige, die für anständig oder unanständig gelten (Iam de artificiis et quaestibus, qui liberales habendi, qui sordidi sint, haec fere acce- pimus). Nach Schmekel(S. 42) ist dieses Kapitel ein Zusatz Ciceros;„denn 1. fällt es aus der Disposition heraus; 2. ist das Lob des Landbaus nur aus römischer Anschauung hervorgegangen und 3. hatte Panätius nach IIl, 24, 86 über den Erwerb nicht gesprochen,
²) Der rechte Platz beim Handeln ist aber die schickliche Zeit, eine Handlung(actio) hat eigentlich nicht ihre Stelle(locus) sondern ihre Zeit oder Gelegenheit(oportunitas); aber man sagt locum dare und ähnlich, weil man eben bildlich auch einer Handlung ihre Stelle anweist.(Gruber, Aum. Z. d. St.)— ²) Vgl. Heine, Ausg. 2. d. St. — ³) Aus§§ 146- 149 erkennt man besonders, wesbalb bei der Begriftsentwickelung der edragia auf die Schei- dung dieses Begriffs von der prudentia eingegangen ist. Nach Arnim III 262(S. 63) ist †ονπγσσσ: Erεσꝓ dν rπν⁵ντeν να d πνντε̈οννàνα 0⁵derεαρνν ενιο*uμν yν ud 2aν zlα 05 0eréOmν Ihr Ge- biet wird bestimmt(Arnim III 263 8. 63.): 1ν ⁹οννο e τd oντεα, 69ou dorole rieloa und Arnim III 268 S. 65: Oνοiς εᷣοεoνν Erοꝓυυάι 5 Ofa 7 Olενmν, oid'. Das gilt auch von der euragia, aber das Urteil uber die Beschaffenheit wird bestimmt durch die Rücksicht auf unsere Mit- menschen, und es wird gefragt: Findet die Handlung den Beifall uuserer Mitmenschen oder nicht?


