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quod spectatur in uno quoque genere virtutis.“ Aber die Worte(§ 96)„ut in eo moderatio et temperantia appareat“ können doch nicht ganz bedeutungslos sein, zumal über das Decorum in einem Abschnitte gehandelt wird, welcher der Sophrosyne gewidmet ist. Ferner ist ganz und gar nicht ausgemacht, dafs die Sätze„quod pertinet ad singulas partes honestatis“(§ 96) und„quod spectatur in uno quoque genere virtutis“(§ 98), die über das zweite Decorum gesagt werden, mit„quod pertinet ad singulas virtutes“ oder„quod spectatur in una quaque virtute“ gleichbedeutend sind. Das Wort partes steht vielmehr im Sinne von„Rolle“, wie kurz darauf im§ 98:„Quocirca poetae in magna varietate personarum, etiam vitiosis quid conveniat et quid deceat, videbunt, nobis autem cum a natura constan- tiae, moderationis, temperantiae, verecundiae partes, datae sint etc.“ und im§ 99:„lustitiae partes sunt non violare homines, verecundiae non offendere.“ Unsere Stelle(§ 96) heiſst dann: und es gibt ein anderes Decorum, das in Verbindung steht mit jeder einzelnen Aufgabe, die uns die Honestas stellt,(mit jeder Rolle, die uns die Honestas zuteilt). Ebenso bedeutet„in uno quoque genere virtutis“ hier so viel wie:„in una quaque persona, quam virtus nobis induit.“ Ferner stehen die Worte„quod spectatur in uno quoque genere virtutis“ an einer Stelle, die Schmekel(S. 37) selbst ausschaltet, wie ich glaube, wieder mit Recht; denn die Worte(§ 97)„Haec ita intellegi possumus“ bis(§ 98)„quod spectatur in uno quoque genere virtutis“ enthalten ebenso wie der vorhin genannte Teil der§§ 94 und 95 eine Ciceronianische Anmerkung. Angenommen also, die Worte„in uno quoque genere virtutis“ müſsten so verstanden werden, wie Schmekel meint, so hätte eben Cicero die vorliegende Definition selbst falsch aufgefaſst. Die Schmekelsche Erklärung unserer Stelle ist also in keinem Falle ausreichend; es wird durch sie weder aufgeklärt, in welchem Zusammenhange das zweite Decorum mit der vierten Kardinaltugend steht, noch weshalb überhaupt der Begriff Decorum eingeführt wird, wenn er sich mit dem Honestum deckt.
Recht gekünstelt ist die Erklärung, die P. Klohe(S. 24) für die Entstehung der Definitionen von Decorum gibt. Erstens habe Cicero, so meint Klohe, Panätius Abhandlung über die vierte Kardinaltugend weggelassen und an ihre Stelle eine über das Decorum gesetzt. Nun habe die Bedeutung von eέmCν mit der vierten Tugend nichts gemein, aber für eine Art der Sophrosyne, für zooοναιινα, habe Cicero folgende Definition gefunden: 200⁶ ε Ʒεᷣοriν ειοστ μmν—EHακι Oο˖ ·οçhͥR V dreεεπρννᷣ τzυ½εꝓν Diese habe er so benutzt, daſs er 20Gιυιq Gdurch υπσοοννν ersetzte und zuν*joecov einfach weglieſs. So habe er die Definition gewonnen: ⅜0-00b„i) 5orhe Sιοντνά Qοισπνπιιν να dmνπemQ, und er durfte nun für die vierte Tugend einfach εeo einsetzen. Da aber sei ihm in den Sinn gekommen, dafſs 96 10», absolut gebraucht, ungefähr dasselbe bedeutet wie honestum. So sah er sich genötigt, eine doppelte Art von Decorum aufzustellen, so dafs das erste sich mit honestum, das zweite mit 0QG ⁶G⁹ deckte. Nun sei aber bei den Stoikern honestum= naturae conveniens, naturae con- sentaneum, und so habe Cicero aus decorum= honestum den Satz gewonnen: decorum esse, quod naturae consentaneum sit. Wie daraus aber die Ciceronianische Definition„decorum id esse, quod consentaneum sit hominis excellentiae in eo, in quo natura eius a reliquis animan- tibus differat“ entstanden ist, erfahren wir von Klohe nicht. Indem ferner Cicero für 00 αοσ, ονυνν eine Erklärung dieser Tugend einsetzt, erhält er nach Klohe als zweite Definition:„ut id decorum velint esse, quod ita naturae consentaneum sit, ut in eo moderatio et temperantia appareat cum specie quadam liberali.“ Abgesehen davon, daſs von Klohe nicht hinlänglich erklärt wird, wie die Form der ersten Definition entstanden ist, versteht man nicht recht,


