Aufsatz 
Die Arbeitsweise Ciceros im ersten Buche über die Pflichten
Entstehung
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57 das Ganze einfach aus ihm ausschreibt. Ein weiterer Beweis hierfür sind die Worte itemque de C. Laelio accepimus, die Panätius, der Zeitgenosse des Lälius, der ihn persönlich kannte, unmôglich gebrauchen konnte. Ferner würde er in dem SatzePhilippum quidem... video superiorem fuisse schwerlich in der ersten Person sprechen, wenn er ihn aus seiner Vorlage entnommen haâtte. Es ist wohl möglich, daſs er hier Erinnerungen aus der eben vollendeten Schrift über die Freundschaft eingefügt hat.

Das Citat aus Panätius im§ 90 zeigt, daſs auch dieser von den Pflichten gesprochen hat, die unsere Tugend im Glücke auferlegt. Ob der griechische Philosoph dem Verhalten im Glücke einen ganzen Abschnitt seines Kapitels über die Tapferkeit gewidmet hat, laſst sich aus dem Citate nicht ersehen. Nach Ciceros Einteilung müſste man es annehmen, ebenso gut ist es auch moglich, dafs bei Panätius die Vorschriften für das Glück nur einen Teil des Abschnittes bildeten, der von der Verbindung der Tapferkeit mit der Maſsigung handelte¹). Ubrigens ist in dem Citat aus Panätius nicht von solchen die Rede, welche Staaten leiten, sondern es heifst lediglich: homines secundis rebus effrenatos sibique praefidentes.

Nachdem in den§§ 72 bis 91 von denen gesprochen ist, die im öffentlichen Leben stehen, wird im§ 92 gezeigt, wie auch solche, die sich vom öffentlichen Leben fernhalten, der zweiten Seite der Tapferkeit gerecht werden können.

Wenn in den§§ 69 und 70 auch denen der Vorzug gegeben war, die sich politisch betätigen, so ist doch dort nicht ausgeschlossen, daſs auch fern vom politischen Leben Tatkraft sich entfalten kann, sicherlich soll diese Tugend denen nicht abgesprochen werden, von denen es heiſst: in his et nobilissimi Philosophi longeque principes et quidam homines severi et graves nec populi nec principum mores ferre potuerunt. Panätius steht im Einklang mit Platoꝛ²), wenn er dem Staatsleben vor der wissenschaftlichen Beschäftigung den Vorzug gibt. Aber die Tatigkeit fern von der Politik wird auch sonst von den Stoikern geschätzt, wenn sie das Gesamtwohl fördert. Mag Pandtius auch die Philosophie nicht so hoch eingeschätzt haben, wie Senekas), der behauptet, daſs Zeno und Chrysipp Grõſseres getan haben, als wenn sie Heere geführt. Amter bekleidet, Gesetze gegeben hätten, so wird man ihm doch die Meinung zutrauen dürfen, die im§ 92 aus- gesprochen wird: esse autem magni animi et fuisse multos etiam in vita otiosa, qui aut investigarent aut conarentur magna quaedam. Auch die Vorschrift, mit seinem Vermögen den Seinigen zu nützen, dürfte auf Panaâtius zurückgehen. Die ganze Auseinandersetzung des Panàâtius aber in diesem Abschnitte lag dem Römer Cicero weniger, und man kann wohl annehmen, daſs hier ein gröſserer Abschnitt des Pandâtius mit wenigen Worten abgetan wurde. Schmekel sagt über diesen Abschnitt:Nach der Abhandlung über die

¹) Man hat die Erörterung Ciceros von§ 80(Mitte) bis§ 91 eingeteilt nach Vorschriften: in rebus asperis (§ 80§ 89) und in rebus prosperis(§ 90 und§ 91). Es scheinen auf diese Einteilung hinzudeuten der letzte Satz von§ 80 und der erste Satz im§ 90. Aber es ist bereits von Klohe gesagt worden, daß manche Abschnitte in den§§ 80 89 zu einer solchen Einteilung nicht passen. Es ist das nicht nur der§ 82, der als Anmerkung Ciceros angesehen werden kann, sondern auch der§ 85, zu dessen Ausscheidung kein Grund vorliegt. Wenn Cicero ferner im§ 81 einen neuen Teil beginnen wollte, der ganz von dem Verhalten in rebus asperis handeln sollte, so würde er diese Worte in dem Satze an eine betontere Stelle gesetzt haben. Schließlich spricht Gellius von solchen,qui aetatem in medio rerum agunt; bei ihm findet sich keine Spur von Ciceros in rebus asperis. Es soll also durch die Worte in rebus asperis gar nicht das Thema des folgenden Teils bezeichnet werden, wo überhaupt von solchen die Rede ist, qui aetatem in medio rerum agunt. ²) Staat VII. 18. ³) de otio c. 6.