Aufsatz 
Die Arbeitsweise Ciceros im ersten Buche über die Pflichten
Entstehung
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Cicero im Schlufssatze sagt, Klugheit und Uberlegung(prudentia consilioque). In dem. Teile von§ 81, der als Zusatz Ciceros charakterisiert ist, wird ebenfalls davor gewarnt: temere in acie versari und in dem gleichartigen§ 82 wird wieder gefordert: ne quid temere und: rebus agitatis punire sontes, also nach reiflicher UÜberlegung die Schuldigen zu strafen, und: in omni fortuna recta atque honesta retinere, das heiſst: in jeder Lage den Geboten der Vernunft und Sittlichkeit zu gehorchen. Auch den Gefahren gegenüber wird kluge Berechnung gefordert. Aber auch schon vorher, in der Gegen- überstellung von kriegerischer und friedlicher Tätigkeit, wird darauf hingewiesen, daſs unsere Tugend, untrennbar mit der Klugheit vereinigt sein muſs. So ist das gemein- same Band, das die§§ 74 84 zusammenhält, die Forderung, die Tapferkeit mit der Klugheit zu vereinen. Andererseits làſst sich allerdings nicht verkennen, daſs Cicero in den§§ 74 84 hauptsächlich von der Tätigkeit im Kriege redet. Trotzdem möôchte ich bezweifeln, daſs dieses Kapitel in Ciceros Vorlage durchgängig der kriegerischen Taätigkeit gewidmet gewesen ist. Es finden sich manche Spuren, die darauf schlieſsen lassen, daſs das nicht der Fall war. So ist im§ 73 im Einklang mit§ 67 gezeigt, daſs der, welcher sich am öôffentlichen Leben beteiligt, die äufseren Güter ebenso gut verachten mufs wie der Philosoph. Darauf wird im zweiten Teile des§ 73 von den Aufgaben gesprochen, die dem gestellt sind, der eine Sache in Angriff nimmt(ad rem gerendam qui accedit). Bis dahin ist von kriegerischer Tätigkeit überhaupt keine Rede. Daran schlieſst sich die Erörterung, ob kriegerische oder friedliche Wirksamkeit den Vorzug verdiene. Daſs diese Darstellung in der Form, wie sie uns vorliegt, eine Einlage Ciceros ist, kann nicht bezweifelt werden. Andererseits steht sie mit dem vorhergehenden in einem gewissen Zusammenhang. Bei der Vorbereitung zur politischen Tätigkeit kann die Frage auf- geworfen werden, ob die Tapferkeit sich nicht am glänzendsten im Kriege enttaltet und ob nicht dieser dem Tapfern den geeignetsten Wirkungskreis bietet.

Es ist nicht unmöglich, daſs auch Panätius diese Frage erhoben und im Sinne der §§ 79 und 80 Anfg. beantwortet, vielleicht auch durch historische Beispiele seine Ansicht begründet hat und daſs Cicero die betreffenden Sätze des Panätius nach seinem Ge- schmacke weitläufiger ausführte. Ist bis dahin von dem gesprochen, der sich zu einem Geschäfte vorbereitet, so ist im folgenden(§ 80) von dem die Rede, der sich in schwieriger Lage befindet oder, um mit Gellius zu sprechen, von denen: qui aetatem in medio rerum¹) agunt. Bei Gellius ist gar keine Rede vom Kriege, sondern nur von denen, die in der Offentlichkeit wirken. Wenn wir am Ende von§ 80 wirklich einen Widerschein des Panàtiusfragments bei Gellius haben. so ist es ausgeschlossen, daſs dieser Teil einem gröfseren Kapitel angehörte, das der kriegerischen Tätigkeit gewidmet war. Aber auch Ciceros Worte selbst, die der Gelliusstelle entsprechen sollen, deuten mit keiner Silbe darauf hin, daſs hier vom Kriege die Rede ist. Erst mit den WortenTemere autem in acie versari geht Cicero wieder auf den Krieg ein, von dem dann auch noch im§ 82 gesprochen wird. Daſs aber dieser zweite Teil des§ 81 sowie der§ 82 eine Ciceronische Anmerkung enthält, ist oben gezeigt. Auch in dem, was in den folgenden§§ 83 und 84 über die Gefahren gesagt ist, findet sich einiges, was gar nicht zu der Auffassung passen will, daſs es sich hier um das Verhalten im Kriege handelt. Wie kann man von einem, der im Kriege ist, sagen: quare in tranquillo tempestatem adversam optare dementis est;

¹) Vgl. r οα rijc 646G Plato Gorg. 485 D u. Anm. Stallbaums z. d. St.