Aufsatz 
Die Arbeitsweise Ciceros im ersten Buche über die Pflichten
Entstehung
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25 Daſs dies der Fall ist, wird auch durch den Druck von ihm angedeutet. Nun dient ja igitur allerdings zur Einführung einer logischen Schlufsfolge; aber ebenso wird es gebraucht, um nach Digressionen, Episoden und Parenthesen den Faden der Rede wieder anzu- knüpfen. Cicero hat Panàâtius getadelt, daſs er keine Definition gegeben hat, er hat dann selbst die Definition gebracht und kehrt nun mit igitur zu seiner Vorlage(Pandtius) zurück ¹).

Daſs Pandàtius' Darstellung gekürzt ist, wird für Schmekel ferner durch die Worte (§ 9) bestätigt:tertium dubitandi genus est, cum pugnare videtur cum honesto id, quod videtur esse utile. Diese Gegenüberstellung weise darauf hin, daſs schon vorher von einem scheinbaren und einem wahrhaft Nützlichen die Rede gewesen sei. Aber das ist gar nicht nötig. Da für den Stoiker das sittlich Gute und das Nützliche identisch sind, so kann er gar nicht von einem Widerstreit des Nützlichen und sittlich Guten reden, nur das scheinbar Nützliche kann zu dem sittlich Guten in einen Gegensatz treten²). Dafür also, daſs vorher von einem wahrhaft Nützlichen und einem scheinbar Nützlichen die Rede gewesen ist, liefert unser Satz keinen Beweis, zumal wenn man zugleich bedenkt, daſs man von Cicero durchaus keine wortgetreue Wiedergabe der Vorlage erwarten darf).

Abgesehen also von dem 6. Kapitel findet sich keine Spur in der Einleitung, die für Schmekels Hypothese sprechen könnte. Wie steht es denn nun mit den übrigen Gründen, die er zum Beweis seiner Behauptung anführt?

Panatius will nach§ 9 erstens über das sittlich Gute, zweitens über das Nützliche, drittens über den scheinbaren Konflikt beider mit einander sprechen. Tatsächlich hat er in drei Büchern nur über die beiden ersten Teile der Disposition gehandelt. Cicero hat aus diesen drei Büchern zwei gemacht; im ersten behandelt er das Honestum, im zweiten das Utile, also in jedem einen Teil der Panätianischen Disposition. Hieraus zieht Schmekel den Schlufs, daſs die beiden Bücher Ciceros im wesentlichen auch nur zwei Bücher des Panätius wiedergeben. Wie Schmekel zu diesem Schlusse kommt, ist mir unerfindlich. Es wäre doch z. B. ebenso gut möglich, daſs die beiden ersten Tugenden von Panâtius im ersten, die dritte und vierte im zweiten, das Nützliche im dritten Buche besprochen wäre, wie Klohe(S. 4) annimmt. Schmekel sagt weiter(S. 23):Da nun das Werk des Panätius aus drei Büchern bestand und die beiden Bücher Ciceros sich offenbar an einander anschliefsen, so folgt, daſs Cicero entweder am Anfange oder am Schlusse seines Werkes ein Buch derartig gekürzt hat, dafs es ein solches zu sein aufhörte. Auch diese Folgerung kann ich nicht recht verstehen. Warum mufs die Kürzung am Anfang oder am Schlusse des Werkes stattgefunden haben, warum nicht in der Mitte an den ver- schiedensten Stellen, bald mehr, bald weniger? Wir haben bis jetat bereits gesehen, daſs z. B. die Kapitel 4 und 5 wahrscheinlich nur in geringem Maſse gekürzt sind, daſs

¹) Der Anschluß ist durchaus nicht inkorrekt, wie O. Heine in seiner Ausgabe zu dieser Stelle meint. Die Definition ist für Cicero ein Teil der Exposition des Themas. An diese knüpft er ganz regelrecht die Par- titio an. ²) In der Tat sind ja wohl drei Fälle möglich. Entweder das sittlich Gute ist nur ein scheinbares oder das Nützliche scheint nur ein solches zu sein oder der Widerspruch zwischen beiden ist nicht wirklich. Geunauer scheint Cicero die Vorlage Off. III 7 wiedergegeben zu haben, wo es heißt: Panaetius igitur, qui sine controversia de officiis accuratissime disputavit, quemque nos correctione quadam adhibita potissimum secuti sumus, tribus generibus Dropositis, in quibus deliberare homines et consultare de officio solerent, nno... tertio,

si id quod speciem haberet honesti, puguaret cum eo, quod utile videretur. ³) Vgl. off. II 9 ff. und III 34.