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für unklar. Ferner stehe die Tapferkeit recht wenig, die Mäſsigung gar nicht in Beziehung zum Erwerb. Der Ausdruck ad res parandas gehöre nur zum Begriffe justitia, als der socialen Tugend(quam versari dicit in societate hominum tuenda). So müsse denn Cicero, als er zu modestia komme, die Worte ad res parandas weglassen und etwas als dieser Tugend eigentümlich einsetzen, was ein Merkmal aller drei praktischen Tugenden sei, nämlich die Worte: versantur in eo genere, ad quod adhibenda est actio quaedam, non solum mentis agitatio.
Sehen wir uns den zweiten Einwand Madvigs gegen die vorliegende Stelle zuerst an. Er sagt: sed ipsa haec rerum paratio aliena est magnam partem a magnitudine animi, Prorsus vero a modestia. Daſs die Tapferkeit aber in einem gewissen Zusammenhange steht mit dem Erwerb der Bedürfnisse des Lebens, deutet Cicero im vierten Kapitel wiederholt an. Nachdem dort als Trieb des Geschlechtes der lebenden Wesen u. a. angegeben ist: ut se vitam Corpusque tueatur... omniaque, quae sint ad viven- dum necessaria, anquirat et paret, heiſst es weiter vom Menschen, weil er mit Vernunft begabt ist: facile totius vitae cursum videt ad eamque degendam prae- Parat res necessarias. Die Vernunft veredelt den Erhaltungstrieb zur sozialen Tugend, zu deren Wesen es gehöre: ut studeat Parare ea, quae suppeditent ad cultum et ad victum etc., und von dieser Sorge heiſst es dann weiter: quae cura exsuscitat etiam animos et maiores ad rem gerendam facit. Also die Sorge, das zu erwerben, was zum Leben und seinen Annehmlichkeiten gehört, erweckt die Tapferkeit. Im Einklang damit wird an unserer Stelle von der Tapferkeit gesagt: ut... animi excellentia magnitudoque cum in augendis opibus utilitatibusque et sibi et suis comparandis tum multo magis in his despiciendis eluceat.
Auf dasselbe läuft es schliefslich auch hinaus, wenn Cicero im Abschnitte über die Tapferkeit die Teilnahme an der Politik als geeigneter zur Betätigung dieser Tugend empfiehlt als ein zurückgezogenes Leben.
Aber auch die vierte Kardinaltugend, die Maſsigung, ist nicht ohne alle Beziehung zum Erwerb. Im Anfange des zweiten Buches¹) unserer Sehrift wird ausgeführt, wie fast aller Nutzen und fast aller Schaden den Menschen durch Vermittelung der Menschen zu teil werde. Die Geneigtheit der Menschen aber zur Förderung unseres Wohls beizutragen werde durch die Tugend erwirkt. Als zweite und dritte²) Seite der Tugend wird aber im§ 18 folgendes angegeben: alterum cohibere motus animi turbatos, quos Graeci dν nominant, appetitionesque, quas illi 6Qμαας oboedientes efficere rationi, tertium iis, quibuscum congregemur, uti moderate et scienter, quorum studiis ea, quae natura desiderat, expleta cumulataque habeamus, per eosdemque, si quid importetur nobis incommodi, propulsemus ulciscamurque eos, qui nocere nobis conati sint, tantaque poena afficiamus, quantam aequitas humanitasque patitur. Daſs diese Neigung der Menschen durch die Mäaſsigung gewonnen wird, zeigt auch§ 98 unseres Buches, wo es von dem Geziemenden heiſst: Movet approbationem eorum, quibuscum vivitur, ordine et constantia et moderatione dictorum omnium atque factorum. So erscheint also die Sorge um die Bedürfnisse des
¹) Off. II§S 12— 17; vgl. Schmekel S. 20 nnd 222.— ²) C F. W. Müller gibt zu unserer Stelle(I, 17) richtig an, daß wir es hier mit einer Teilung in theoretische und praktische Tugend zu tun haben, wie die patallele Stelle Part. or. 76— 78 deutlich zeigt. Dieselbe Teilung haben wir auch in II 18, aber hier tritt
der peripatetische Ursprung dieser Teilung schärfer hervor, indem die praktische Tugend hier völlig auf der temperantia beruht.
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