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auf Antiochus von Askalon zurück.¹) Dieser zeigt sich aber auch sonst von Panâtius ab- hängig. ²) Es ist also wahrscheinlich, dass Antiochus dieselbe Darstellung des Panätius in Fin. II, 45 ff. bearbeitet hat, die Cicero für unser Kapitel zur Vorlage diente. Für diese Annahme glaube ich in Fin. II 45 selbst ein Zeugnis zu finden. Dort heifst es: Quod (Scil. honestum) quale sit, non tam definitione, qua sum usus, intellegi potest, quamquam aliquantum potest, quam communi iudicio et optimi cuiusque studiis atque factis etc. Der merkwürdige, durch die eingeschobenen Säâtze: qua sum usus und quamquam aliquantum potest, etwas unbeholfene Satzbau scheint darauf hinzudeuten, daſs hier in der Quelle Ciceros die Definition weggelassen und daſs diese Darstellung ursprünglich mit der Er- klarung eingeleitet war, eine Definition von Honestum sei nicht nôtig und werde durch das allgemeine Urteil und durch Denken und Tun aller Guten ersetzt.²) Vor dem Paral- lelabschnitt Off. I c. 4 erfahren wir, daſs Pandâtius eine Definition von„officium“ nicht gegeben habe. Es liegt also der Gedanke nahe, daſs Panätius im Eingange seiner Schrift eoε rod aνν—κΤά νποο die Erklärung abgegeben habe, er wolle von einer Definition absehen, weil für die Bestimmung von zad²⁵αν die UÜbereinstimmung aller Guten ausreiche, und daſs an beiden Stellen die Hinzufügung der Definition von Cicero ausgeht.¹)
Wenigstens hingewiesen werden muſs noch auf das Verhältnis unseres Kapitels zu Polybius VI, 6. Daſs das Werk des Polybius aus dem Geist der Stoa geboren und daſs Polybius der Richtung des Panàâtius angehrte, hat bereits Hirzel überzeugend nachge- wiesen.) Für das sechste Buch insbesondere legt v. Scala ⁶) ausführlich dar, dafs seine Quelle der Staat des Panätius gewesen sei; sicher ist für ihn, dafs die philosophische Quelle des Polybius dem Gedankenkreise der mittleren Stoa entsprungen ist, als deren Hauptvertreter Panàtius gilt. Auch Susemihl¹) schlieſst sich Hirzel und v. Scala an und zeigt insbesondere, daſs der Abschnitt über den Kreislauf der Verfassungen bei Polybius VI, 3— 10 auf Panàâtius zurückgeht, daſs dessen betreffende Schrift und mündlicher Ver- kehr mit Polybius hier im wesentlichen des letzteren Quelle ist. Besonders ist Voigt ⁵) „die gewiſs nicht zufällige, ganz auſserordentliche Xhnlichkeit“ von Polyb. VI, 6 mit Off. 1 4, 11 aufgefallen und auch v. Scala ³) stellt beide Stellen zum Vergleich neben einander. Nun kann man allerdings nicht von einer ganz auſserordentlichen Rhnlichkeit unserer
¹) Vgl. Hirzel II, 2 S. 638 ff.— ²) Vgl. Henr. Doege, Quae ratio intercedat inter Panaetium et Antiochum Ascalonitam in morali philosophia Halis Sax. 1896 Diss. und Schmekel S. 391 ff.— ³) Vgl. A. Bonhöffer II S§. 227 Anm. 1.— Bonhöſter I S. 187 ff. und Schmekel S. 209.— ⁴) Noch eine andere Spur scheint sich dafür zu finden, daß hier Cicero Panätius selbst bearbeitet hat, während er Fin. II eine von Antiochus gefürbte Panätianische Vorlage wiedergibt. Madvig Fin. Excurs IV S. 815 ff. hat den Unterschied zwischen den„prima naturae“ der Stoiker und der„prima constitutio naturae“ des Antiochus aufgedeckt und gezeigt, wie Cicero in Fin. diese beiden Be- grifte beständig verwechsele. Er zeigt, daß das, was nach den Stoikern den ersten Trieb hervorruft, nichts mit der Tugend gemein hat, ja daß man darin auch nicht Samen oder Anfänge der Tugend suchen dürfe.(ne semina quidem virtutis et initia si sibi coustare Stoici volunt, in ea cogitari possunt). Dagegen begreift die Antiochische prima constitutio naturae Körper, Geist und Tugend in sich. In ihr sind von vornherein Samen und Anfänge der Tugend enthalten, die sich dann zur vollen Tugend entwickeln. Von diesen Aufängen und von dieser Ent- wickelung wird nun allerdings in Fin. II 45 ff. gesprochen. So heißt es§ 45: ut profectus a caritate domesti- corum ac suorum serpat longius et se implicet primum civium, deinde omnium mortalium societate und im§ 46: his initiis inducti omnia vera diligimus. Dagegen fehlen diese Anklänge an die Lehre des Antiochus in unserem 4. Kapitel gänzlich.— ³) Hirzel II. Excurs VII S. S41— 907.— ⁶) Die Studien des Polybius von Rudolf v. Scala I. Stuttgart 1890. S. 222— 255.—*) Geschichte der griechischen Litteratur in der Alexandrinerzeit von Franz Susemibl II S. 74 und Anm. 56.— ³) Bei Susemihl II S. 74.— ²) v. Scala S. 245.


