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Eine andere Einfügung Ciceros findet sich nach Klohe im§ 13. Dort werde als dritte Tugend magnitudo animi genannt, ¹) weil Cicero in dem Abschnitte(§ 61 ff), der der dritten Cardinaltugend gewidmet ist, nur die magnitudo animi, nicht die fortitudo behandele. Es wird später gezeigt werden, ²) daſs Cicero die Bezeichnungen magnitudo animi und forti- tudo in unserem Buche unterschiedslos gebraucht; er kann also die Absicht hier nicht ge- habt haben, die ihm Klohe zuschreibt.
Ferner seien von Cicero im§ 13 nachträglich die Worte hinzugesetzt: nisi praeci- pienti aut utilitatis causa iuste et legitime imperanti. Diesen Zusatz habe Cicero gemacht, weil er im§ 64 darüber klage, daſs grade aus der Hochherzigkeit eine übermäfsige Sucht entstehe, die erste Stelle einzunehmen, und daſs es so komme, daſs gerade die, welche durch jene Tugend am meisten hervorragten, weder sich belehren lieſsen, noch Recht und Gesetz sich fügten. Nun aber gebraucht Cicero die betreffenden Worte an unserer Stelle durchaus nicht in tadelndem Sinne, was man doch erwarten sollte, wenn sie durch§ 64 veranlaſst wären. Das Streben nach dem ersten Range ist hier eng verbunden mit der Liebe zur Wahrheit, es wird einem„animus bene informatus“ zugeschrieben und ist die Quelle der Hochherzigkeit. Cicero kann also hier nur sagen wollen, daſs der nicht blind und sklavisch gehorchen wird, der die Erkenntnis zur Grundlage seines sittlichen Handelns macht, sondern ein solcher Mann wird nur dem folgen, der ihn überzeugt, oder der Re- gierung, die den Gesetzen gemäſs befiehlt. Diese sittliche Freiheit aber ist es, von der Cicero auch§ 68, im Abschnitte über die Tapferkeit, spricht, wenn er sagt: gloriae cupi- ditas... eripit... libertatem, pro qua magnanimis viris omnis debet esse contentio.“ Um sie sich zu bewahren, zogen sich viele von den Geschäften zurück:„ut ne cui parerent, libertate uterentur(§ 70). So stehen diese Worte im§ 13 im engen Zusammenhang mit ihrer Umgebung und decken sich mit der Auffassung des Panätius im Abschnitte über die Tapferkeit.
Daſs ferner der Anfang unseres vierten Kapitels, der sich an der entsprechenden Stelle Fin. II nicht findet, eine selbständige Erweiterung Ciceros sei, ist durch nichts begründet, als durch die Annahme, Fin. II 45 ff. sei die Quelle für unser Kapitel; denn der Inhalt weist nichts auf, was nicht als stoische Lehre sich nachweisen liefse. Gleich der erste Satz klingt an Chrysippus an, über den es Diog. Laert. VII, 85 heiſst: dr=oeierat roirue Iéyeuν ouiuμενν αάνd Oiεεένοοασι απςσς ⁵αιι. 057 ydo rã re Sdπrovra duαerrae zal râ olzeia ooierat. Für das Folgende legt Antiochus von Askalon Zeugnis ab; denn Fin. IV, 17 lesen wir: Primique ex omnibus philosophis natura tributum esse docuerunt, ut ii, qui procreati essent, a procreatoribus amarentur et, id quod temporum ordine antiquius est, ut coniugia virorum et uxorum natura coniuncta esse di- cerent.... Atque ab his initiis profecti omnium virtutum et originem et progressionem persecuti sunt.³²) Daſs zu diesen ersten aller Philosophen auch die Stoiker gehören, zeigt Fin. V 23. Cicero beginnt nämlich Fin. V, 24 die peripatetische Abhandlung vom höchsten Gut mit der Darstellung des Grundtriebs aller lebenden Wesen, der Eigenliebe und des Selbsterhaltungstriebes, also grade wie hier die Abhandlung über die Pflichten. Er schickt dieser Darstellung des Grundtriebs aber V, 23 den Satz voraus: lgitur instituto veterum, quo etiam Stoici utuntur, hinc capiamus exordium.
²) Diese Tugend wird Fin. II 46 ganz ebenso beschrieben, wie Off. I 13 und nur nicht ausdrücklich als magnitudo animi oder als fortitudo bezeichnet.— ²) Vgl. Kap. III.— ³) Vgl. ferner Hirzel II S. 649 Anm 1 u. II, 506.


