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besonders erwähnt ist. Ubrigens hat Cicero offenbar die Platostelle auch§ 23 wieder im Gedächtnis. Dort heiſst es:„qui autem non defendit nec obsistit, si potest, iniuriae, tam est in vitio, quam si parentes aut amicos aut patriam deserat“. Hier erscheinen also alle drei Klassen Platos, ol yevysjoures, ¹ αos und ol 10εrol †ρlο. Von einer Eigentümlichkeit Ciceros, die in der Auslassung des Begriffs ol yevvijodvres zu Tage tritt, kann also keine Rede sein. Aufserdem könnte man ja mit demselben Rechte von einem dem Panätius eigentümlichen Wortlaute sprechen; da der pseudoplatonische Brief diesem ebenso wohl bekannt sein konnte wie Cicero.
Daſs schlieſslich sonst kein Grund vorhanden ist, den S 22 unseres Buches nicht auf Panàätius zurückzuführen, wird an seiner Stelle gezeigt werden. ¹)
Einen zweiten Beweis für seine Annahme findet Klohe in dem Mangel an Einheitlichkeit in der Darstellung. Fin. II 46 werde gezeigt, wie uns die Natur von der Quelle der Weisheit zu der der Gerechtigkeit hinüberleite. Im folgenden hätte also über die Gerech- tigkeit gehandelt werden müssen, Cicero spreche aber über die Tapferkeit. Hier hat Klohe die Gedankenfolge bei Cicero nicht richtig erkannt; denn es wird zuerst über die soziale Tugend, die Gerechtigkeit, dann über die Weisheit, an dritter Stelle über die Tapferkeit und schliefslich über die Mäfsigung gesprochen. Die zweite Eigenschaft erwächst aus dem Trieb die Wahrheit zu erkennen, der sich erstens als Wiſsbegierde und zweitens als Abneigung gegen allen Trug offenbart. Diese zweite Seite des Wahrheitstriebes kann also zugleich eine Quelle der Gerechtigkeit sein, wie ja alle Tugenden mit einander eng verbunden sind. ²) Wenn Cicero Off. I6 13 von der Darstellung in Fin. II 46 etwas abweicht, so hat das sicher nicht seinen Grund darin, dafſs er einen Mangel in der Darstellung Fin. II 46 erkannt hat, wie Klohe meint. Wir haben es vielmehr an unserer Stelle Off. I 13 lediglich mit einer gröſseren Nachlässigkeit in der Darstellung desselben Gedankens wie Fin. II 46 zu tun. Daſs Fin. II 46 die Worte vera, fidelia, constantia nebeneinander gehõren, beweist Off. I 23, wo Cicero sagt: Fundamentum autem est iustitiae fides, id est dictorum con- ventorumque constantia et veritas. Unsere Stelle hier(Off. I 13) zeigt also der parallelen Darstellung in Fin. II 46 gegenüber denselben Charakter, wie der erste Satz des fünften Kapitels unseres Buches gegenüber Fin. II 51 und 52, ³) sie ist eine Wiedergabe derselben Vorlage, nur in verstümmelter Gestalt.
Noch einen dritten Grund glaubt Klohe dafür anführen zu können, daſs Cicero den Ab- schnitt Fin. II 45 ff. nicht ganz aus dem Werke eines griechischen Philosophen entnommen, sondern selbständig bearbeitet hat. Er will es nicht für die Meinung eines griechischen Philosophen halten, wenn Fin. II 46 gesagt wird, dass wir nur dann begehren, uns wissen- schaftlicher Tätigkeit zuzuwenden, wenn wir frei von Sorgen sind. ⁴) Die betreffende Stelle lautet Fin. II 46: quod facillime apparet, cum vacui curis etiam quid in caelo fiat, scire avemus und Off. I 13: Itaque cum sumus necessariis negotiis curisque vacui, tum avemus aliquid videre, audire, addiscere cognitionemque rerum aut occultarum aut admirabilium ad beate vivendum necessariam ducimus. Aber es wird auch sonst ⁵) als fehlerhaft bezeichnet, wenn die Philosophen über der wissenschaftlichen Forschung die Sorge für ihre Angehörigen vernachlässigen, und dieser Sorge wird ebenso wie an unserer
¹) Vgl. Kap. II.— ²) In ganz gleicher Weise ist Off. I 13 die Hochherzigkeit erst ais eine Begleiterin der sozialen Tugend und dann der Weisheit dargestellt.— ⁵) Vgl. oben S. 9.— ⁴) Klohe, S. 12.— ⁵) Vgl. Off. I 28. Es ist kein Grund, diese Stelle Panätius abzusprechen, wie später gezeigt werden wird.


