11
48 und 49 weiter ausgeführt ist, ertént leise am Ende von Off. I 14, wo die Worte: quod etiamsi nobilitatum ¹) non sit, tamen honestum sit, quodque vere dicimus, etiamsi a nullo laudetur, natura esse laudabile wie ein Auszug aus Fin. II. 49 erscheinen. Schlieſslich ſindet sich auch das Platocitat in Fin II 52 wieder, und wir erkennen zugleich aus Fin II 52, wie der Satz Off. I 15: Formam quidem ipsam, M. f., et tamquam faciem honesti vides, quae si oculis cerneretur, mirabiles amores, ut ait Plato, excitaret sapientiae durch Ciceros Flüchtigkeit sein eigentümliches Aussehen gewonnen hat. ²)
Die Verwandtschaft der beiden Stellen ist also eine weit engere als Hirzel annimmt. Klohe(S. 6 ff.) meint nun, Cicero habe bei der Ausarbeitung unseres vierten Kapitels den Abschnitt aus dem zweiten Buche über das höchste Gut zur Vorlage gehabt. Ferner sei das vierte Kapitel erst eingefügt, als das ganze erste Buch über die Pflichten schon vollendet war; denn einige Sätze unseres Kapitels, die in Fin. II fehlten, seien aus späteren Kapiteln unseres Buchs hinzugesetzt. Aber auch der Abschnitt Fin. II§ 45 ff. selbst stamme nicht ganz aus dem Buche eines einzigen griechischen Philosophen, sondern sei von Cicero selbst zusammengestellt. Sehen wir uns zuerst die Beweise an, die Klohe für die selbständige Bearbeitung von Fin. II 45 ff. durch Cicero liefert! An erster Stelle dient ihm dazu ein Citat aus dem neunten pseudoplatonischen Briefe an Archytas. Dort heiſst es(S. 358 A): dlld zdzeno der de ενννυμμειανα τ ⁸μμros ,⁴ν oν αεντ α νν„εέ̈ꝓßνονε, d rije ereoευς 71νᷣ:ℳμ⁴ο¶qMμέ ν τιπ πααιd æεerai, 0 dé tν o perrnoures, 10 oi 10πτοι †φρϑαι⁴οο, τ α ro a⁴οαονςα Ʒοιαν τονσι οeν iοeν μα̈ νᷣoↄQ⁵αααιιαeνοvοο.
Diese Stelle nun, meint Klohe, citiere Cicero in einer ihm ganz eigentümlichen und von der gewöhnlichen abweichenden Form; denn er erwähne an keiner Stelle die Eltern. Nun findet sich das Citat an drei Orten: Off. I 12, I 22 und Fin. II 45. Madvig ³) bemerkt, dafs Cicero das griechische:„ol pevyiouνres, 10 oi 10Gπο£φ2⁴οα in Ein. II 45 zusammengefaſst habe in dem Worte„suis“, in Off. I 22 in„amici“. An unserer Stelle erscheint derselbe Begriff geteilt in coniugi, liberis ceterisque, quos caros habeat tuerique debeat. Patria fehlt an unserer Stelle, weil es hier, wie Klohe ¹⁴) richtig erkennt, nicht in den Zusammenhang passen würde. Wir haben es also an allen drei Stellen mit einer ungenauen und von einander abweichenden Anführung der Platostelle zu tun, und es ist ein reiner Zufall, wenn an den genannten Orten das griechische ol„evyijovres nicht
¹) Selbst das Wortspiel mit nobilitatum und honestum, dem Attribut des römischen Ritterstandes, auf das Bonnell aufmerksam macht, findet einen Vorläufer in Fin. II, 49: Philosophus nobilis... honestum quod sit,.. negat se intellegere... Vgl. Cic. de officiis bearb. von J. F. Degen, umgearb. von Ed. Bonnell, 4. Ausg. Berlin 1848, Z. u. St. —*²) Fin. II§ 51 a E.: Istorum enim verborum amore, quae perraro appellantur ab Epicuro, sapientiae, fortitudinis, institiae, temperantiae, praestantissimis ingeniis homines se ad philosophiae studium contulerunt.(§ 52) Oculorum, inquit Plato, est in nobis sensus acerrimus, quibus sapientiam non cernimus. Quam illa ardentes amores excitaret sni! Madvig(Fin. II 52) führt zum Vergleich mit dieser Stelle an Plato Phaedrus p. 250 D: *Oi„do un durär, e dd rod υμαος εοσνσν△ηαι αονν⁶σνπσνν‧—νπ2⁊ τμ̈mνπνοαυωπ odν⁷ 69ται ευκοωνς ydo d aoPtie" Oνds,& ri roοντονεέαάνi agyte eioαο ageigero eis öννιν εν und bemerkt dazu: „Eadem Cicero vertit de Off. I 15, ubi paulo neglegentius ab honesti verbo et notione orditur, quam ipse tractabat, in sapientiae, quam Plato nominarat, desinit“ Die Stelle in Fin. II gibt die ursprünglichere Gestalt der Vorlage. Aus Liebe zur Tugend, heißt es hier, haben sich die hervorragendsten Geister der Philosophie zugewandt. Daran schließt sich das Platocitat. Cicero hat in seiner Form des Citats die Liebe zur Tugend im allgemeinen, von der vorher die Rede war, und die Liebe zur Weisheit, von der Plato spricht, zusammengeworfen. Dagegen fehlt Fin. II§ 52 der Condicionalsatz: æl ι ντον ⁵εαυντſe Srαοꝓννές elοα⁴ον παοizero eis dipdy 16„, der Off. I 14 durch: si oculis cerneretur wiedergegeben ist.— ³) Anm. zu Fin. II 45.— ³) Klohe, S. 11, Anm. 3.
2*


