Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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Dazu stärkt Humor das Vertrauen zu dem Lehrer als einem gerechten Richter. Humor ist frei von Parteilichkeit. Lehrer, die freilich auf Kosten einzelner Schüler Witze machen, um vielleicht erst Autorität bei den anderen zu erhalten, besitzen keinen Humor.

Der Humor des Lehrers kommt aber noch viel mehr den Schülern zu gute.

Er belebt zuerst alle und fordert zu einer Teilnahme an einem schönen und edlen Spiel auf, bei dem sich jeder auszeichnen kann. Dalſs es freilich die Sache ist, die spielend erobert werden soll, darf nie vergessen werden. Es handelt sich immer um ein Spiel mit aufsen liegen- den Zwecken.

Durch den Humor wird aber auch eine gewisse Gleichheit der Mitspieler, d. h. der Schüler im Unterricht erzielt. Er nimmt sich gerade der Schwachen, der Kleinen, der weniger Begabten an und verschafft ihnen Daseinsberechtigung im Kreise der Gesamtheit. Die Sache ists, die die Unterschiede im Censieren u. s. w. bedingt, nicht die Begabung, die gröſsere oder geringere Fähigkeit.

Der Humor des Lehrers kommt aber endlich auch der Sache, der Wissenschaft. selbst zu gute.

Er nimmt ihr das Tote, Abstrakte und belebt sie dadurch, dafs die Personen des Lehrers und des Schülers in sie hineingetragen werden. Die Sache wird so zu einem Teil unseres Ichs. Wir sind an ihr interessiert. Der Humor setzt ferner die Dinge untereinander selbst in Bezichung.

Wenn der Humor eine solche vielseitige Bedeutung hat, so darf man sich eigentlich wundern, weswegen ihm die Lehrerschaft im allgemeinen so feindlich gegenübersteht. Es liegt dies, glaube ich, daran, dafs die Macht dieses Mittels eine zu gewaltige und schwer zu regulierende ist. Es ist leicht, Humor in der Klasse hervorzurufen, aber oft unendlich schwer, ihn auf natürliche Weise wieder zu bannen.

Im allgemeinen mögen etwa folgende Gesetze gelten:

Der Humor des Lehrers sei mehr ein versteckter. Er stehe stets hinter dem Ernst bereit. als ein Hilfsmittel, nicht als Selbstzweck.

Er schlage vor allen Dingen selten in Witz um und nie in einen solchen, der die Person des Lehrers selbst heben soll. Der Witz verwundet leicht. Auch lronie und Satire, die so oft für Mädchenschulen empfohlenen Mittel, sind meist ein Eingeständnis mangelnder Autorität und Selbstgefühls..

Der Humor sei vielmehr stets verbunden mit Wohlwollen und Ernst. Er hat eine positive, nicht eine negative Aufgabe. Er soll aufmuntern, nicht strafen. Die Komik der Schüler liegt bei dem grofsen Kontrast zwischen ihren und des Lehrers Kenntnissen zu sehr an der Oberfläche. Es ist kein gutes Zeichen, wenn sich der Lehrer an ihr etwa bei der Zurückgabe von Aufsätzen oder sonst zu ergötzen vermag, denn das bedeutet, dafs er sich mit dem Schüler auf eine Stufe stellt, d. h. in ein von dem Schüler begonnenes Spiel sich einlälst.

Der Humor des Lehrers diene vor allem der Sache, er ziehe nicht Dinge heran, die blofs belustigen sollen. Witz und drastische Komik haben oft gefährliche Folgen und reilsen ein, was Wochen und Monate gebaut haben. Der Humor wirkt dagegen aufbauend, aber auch er scheine wie die Sonne hinter den Wolken, selten, aber um so wirksamer. Die Komik an sich lenkt ab, verleitet zu selbständigen Weiterspielen seitens der Schüler, d. h. führt zu Albernheiten. Wo das nicht ist, wirkt sie auch abstumpfend. Auch der Schüler will nicht immer spielen, er verlangt nach Arbeit und Mühe.