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Neben dem Humor, der freiwillig vom Lehrer ausgeht, steht aber als eine von vielen ge- fürchtete Macht der von ihm nicht ausgehende, stets bereite Humor der Schüler. Auch dieser hat seine Berechtigung und seine Bedeutung. Er wirkt ebenfalls Gutes für den Lehrer, für die Sache und für die Schüler selbst.
Für den Lehrer bedeutet er zunächst eine wichtige Richtschnur. Das Lachen der Schüler ist ein richtendes Urteil. Wehe dem, den es mit Recht verdammt. Nie darf der Lehrer das un- freiwillige Objekt der Scherze der Schüler werden und sich lächerlich machen. Lachen deutet also in diesem Fall auf Fehler und Eigenheiten an der eigenen Person. Durch Strafen hier Ab- hilfe schaffen, hielse das UÜbel nur gröſser machen. Die Natur lälst sich nicht durch Strafen unterdrücken. Die Strafen mehren nur die Reize des Spiels. Wohl aber kann der Lehrer, wenn er nur zufällig das Objekt des Schülerhumors wird oder wenn dieser sich überhaupt nicht gegen seine Person richtet, mit einigem Geschick wieder Herr der Situation werden. In diesem Fall tritt der Witz und die Schlagfertigkeit in ihr Recht. Die Waffen kreuzen sich im Spiel. Wohl dem Lehrer, der es nicht zu fürchten braucht.
Aber auch für die Schüler selbst ist eine Neigung zu heiterer Auffassung der Dinge ab und zu am Platz und berechtigt. Wenn man bedenkt, dafs unsere Jugend sechs oder sieben lange Stunden im Schulunterricht an ein und demselben Platz gebannt ist, kann man nur ver- stehen, dafs sie jede Gelegenheit benutzen, sich selbst ihr gutes Recht zu verschaffen. Darum lachen sie hier auch oft herzlich und durchaus ohne Nebengedanken über Dinge, die ihnen sonst gleichgültig wären. Der Kontrast zwischen dem trockenen Ton in der Schulstube und den Klängen einer Drehorgel schon, die sich hören lälfst, wirkt für sie oft geradezu befreiend. Es ist nicht leicht zu sagen, wie der Lehrer sich dieser natürlichen Forderung nach Lebensfreude und viel- seitiger Betätigung gegenüber verhalten soll. Es gibt Fanatiker des Ernstes und Menschenfreunde unter den Lehrern. Nach den einen sollen die Schüler nur auf den Ernst des Lebens schon auf der Schule vorbereitet werden: Oderint dum metuaut ist häufig ihre Devise. Und in der Tat kann man sagen, damit kommt man weiter als mit Nachsicht und Güte. Nach den anderen aber sollen die Schüler auch das Leben als lebenswert empfinden. Ihnen gilt die Liebe der Schüler mehr als alles andere. Man darf nicht verschweigen, dafs sie mehr mit Dornen und Undank zu rechnen haben als andere. Vielleicht aber ist es gut, daſs noch solche subjektiven Meinungs- verschiedenheiten unter den Lehrern herrschen. Der Unterricht bietet gerade so auf natürliche Weise eine Abwechslung, die ein„System“ nicht erreichen würde. Der Humor wird auch Rück- sicht auf ganze Generationen zu nehmen haben. Er wird in der Mädchenschule ein anderer sein müssen als bei Knaben u. s. w.
Wir haben bisher den Humor nur als ein Erziehungsmittel aufgefalst. Es läfst sich aber die Frage aufwerfen: Darf er nicht auch als ein Ziel, als ein Ideal betrachten werden, zu dem die Schule zu erziehen hat?
Es wäre eine schöne und dankenswerte Aufgabe, die sich hier darböte. Sie würde aber vielleicht die schwierigste sein, die der Schule überhaupt erwachsen kann. Echter Humor ist im Leben schon so selten, nur wenige Grofse und Auserwählte besitzen ihn in einer mit den übrigen Lebenszielen harmonierenden Form. Ein Shakspere-Prospero, ein Goethe stehen so gewaltig hoch mit ihrer freien, den Mühen und Qualen des Lebens entwachsenen Weltanschauung, dals sie schier unerreichbar sind.
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