Schelten, fackeln, wackeln, der alte Gesell u. s. w. Verkleinerungsformen machen uns die Dinge zu einem Spielzeug, das wir nach unserem Willen brauchen können: Bröselein, Grällein, Kinderlein, Mäuslein, Püppchen u. s. w. Eins der beliebtesten Mittel, um uns in die nötige humor- hafte Stimmung zu versetzen, ist ferner die Anwendung des Dialekts. Schimpfnamen und Worte, die eine gewisse, meist ungewollte Erregtheit der Personen verraten, gefallen uns, wenn wir auſserhalb des Streites stehen und das Feuer höchstens durch unser Lachen schüren können.
Schon die Laute allein können zur Erzielung humoristischer Eindrücke ungemein mithelfen. Man denke etwa an die Klangmalerei und Schallnachahmunpg hbei der Schilderung der Zwergen- hochzeit im Goetheschen Hochzeitslied, des Tanzes der Totengerippe im Türmer, an das Wille, wau, wau, witohu im Hexenlied, an die Jodler, Juchzer, das spottende Echo:„Husch, husch, piff, paff, trara“ des Volkslieds u. s. wW. Der komische Reiz liegt hier nicht zum wenigsten in dem Kontrast, der zwischen der Anschaulichkeit des Dargestellten und der verborgenen Teilnahme des eigenen Ichs als eines beobachtenden Zuschauers und Höôrers besteht. Das Sichunbeobachtetglauben in heiteren und üblen Lagen bedeutet für den Dritien immer eine groſse Lust. Auch Alliteration, Assonanz und Reim(vor allem klingender oder gar Schüttelreim) kommen in Betracht. Indem sie ein lautliches Bindeglied für sonst heterogene Begriffe bilden, schaffen sie oft die sonderbarsten und doch wieder natürlichsten Verbindungen und komischen Kontraste. Der Kontrast der Klang- farbe der Laute mit den ihnen entsprechenden Empfindungen oder mit Gesten führt uns schon auf die komischen Mittel einer anderen Kunst, nämlich die des Redners und des Schauspielers.
IV. Der praktische Nutzen des Komischen.
Viel gröſser noch als die ästhetische Bedeutung des Komischen ist seine praktische. Die Komik ist geradezu eine Macht im Leben des Einzelnen wie der Gesamtheit. Mit Recht suchen Biologie und Sociologie sie in unseren Tagen als eine notwendige Funktion des menschlichen Organismus nachzuweisen. Sie hat nicht nur Bedeutung für die Sitten, sondern auch für die Sittlichkeit. Es würde uns zu weit führen, hier im einzelnen ihre Vorteile und Nachteile zu untersuchen. Die Rolle jedoch, die sie im täglichen Leben spielt, zeigt schon hinreichend, wie groſs ihre Bedeutung ist.
Die komische Empfindung selbst wirkt erfrischend und belebend auf Körper und Geist. Sie schafft Erholung und Beschäftigung zugleich. Sie schärft den Verstand und belustigt das Gemüt. Sie macht die Dinge interessant. Sie beruhigt in Gefahren, in Not und Trübsal. Oft hat ein Scherz geholfen, wo alle anderen Mittel vergeblich waren. Sie schadet erst, wenn sie allein vorherrscht: Das Leben will nicht immer als ein Spiel betrachtet sein.
Auch die objektive Wirkung der Komik ist nicht gering zu achten. Sie kann niederdrücken, demütigen, beschämen, beleidigen, die Achtung nehmen, sie kann aber auch Liebe und Zuneigung schaffen. Sogar des Todes abschreckendes Bild gewinnt in der humorhaften Be- trachtung des Pfarrers in Hermann und Dorothea freundliche Züge. Die Harmonie des Ganzen und die Bedeutung des Kleinen kommt durch sie zu ihrem Recht. Die Komik belebt einen Vor- trag oft mehr als die gröfste Weisheit. Sie kann einen Umschlag der Stimmung zum Guten wie zum Bösen bewirken. Sie erlaubt vieles zu sagen, was sonst verboten ist. Sie geht um den Streit herum und sucht im Guten eine Lösung zu finden. Aber auch hier sind ihrer Macht


