gehören. In Lessings Minna von Barnhelm liegt die Komik der Scene zwischen Just und Franziska nicht blols im Denken des Just oder der Franziska, sondern in der Zusammengehörigkeit der kontrastierenden Gedanken beider Personen begründet. Frage und Antwort, sowie der Dialog sind aber nicht die einzige Form des dramatischen Stils. Er ist vielmehr überall da vorhanden, wo successive Kontraste in Betracht kommen. Die drastische Komik des Epigramms oder von Sen- tenzen, wo oft ein Gedankenstrich den Beginn eines neuen Gedankens andeutet, zeigt so gut witzigen Stil wie die Sprache des Lustspiels.
In gewisser Weise kann sich auch die Lyrik und die Epik des witzigen Stils bedienen und drastische Wirkung, wenn auch in abgeschwächter Weise, erzielen. In der Lyrik stellt sie sich ein, wenn der Refrain an einer Stelle wiederkehrt, wo man ihn nach dem Gedankeninhalt. des Vorhergegangenen nicht erwartete und wo er doch vermöge des lautlichen Gleichklangs und dem strophischen Bau eine natürliche Stelle hat. Ein Meister in der Anwendung des witzig-humor- haften Stils ist Jean Paul. Sein Humor unterscheidet sich von dem Goethes eben durch die An- wendung des Mittels der Abbrechung von Gedankenreihen. Er benutzt es, um wertvolle Gedanken mit scheinbar unbedeutenden Anschauungen zu verbinden. Umgekehrt verbindet Heine niedere Gedanken mit wertvollen Anschauungen und Stimmungen.
Wenn auch die innere Form der Sprache am meisten den humorhaften Stil charakterisiert, so kann doch auch die äuſsere zur Erzielung einer humor- haften Stimmung beitragen.
Das geschieht schon durch den Tonfall und Rhythmus der Sprache. Es kann durch eine Berücksichtigung des Tempos und der Lautstärke oft allein schon eine komische Wirkung erzielt werden. Das witzige Betonen, Schweigen oder Pausieren in einer Rede wirkt oft mehr als viele Worte. Welcher Rhythmus dem Humor entspricht, läfst sich in allgemeinen Gesetzen nicht aussprechen. Er wird aber im lyrischen Stil ein mehr sprunghaftes, im epischen ein gleichmälsiges, ruhiges, im witzigen ein rasch aufsteigendes und dann ebenso abfallendes Tempo bevorzugen.— Aul- fallend ist die Vorliebe des IHIumors für volkstümliche Metren in der Poesie. Der Knittelvers, der anapästen- und daktylenreiche Vers der Goetheschen Balladen, der Hexameter mit ihren vielen und unregelmälsigen Senkungen versetzen uns viel eher in eine gemütliche Stimmung als das hohle Pathos des fünffüfsigen Jambus oder des Alexandriners. Wie sehr der Blankvers humorhafte Stimmung be- einträchtigt, zeigt das Verfahren Shaksperes, der ihn bei komischen Scenen einfach durch Prosa ersetzt.
Auch der Satzbau bevorzugt volkstümliche, einfache und durchsichtige Wendungen. Der humorhafte Stil ist reich an komischen(naiven, witzigen u. s. w.) Bitten, Fragen, Ver- gleichen, Wiederholungen, Begründungen, Einschränkungen u. s. w. Er braucht gern Ausrufe, Anreden an den Leser, rhetorische Fragen, die unsere Gedanken auf ein bisher un- beachtetes und doch selbstverständliches lenken sollen. Sätze wie:„Wenn er nicht gestorben ist, so lebt er heute noch“,„Es war einmal“ und alle märchenhaften Wendungen, die uns die Dinge vom kindlichen Standpunkt aus, d. h. von einer freundlichen, dem Spiel zugänglichen Seite zeigen, gehören hierher. Im witzigen Stil begegnen die Figuren der Tautologie, der Hyperbel, des Oxymoron, der Paradoxe u. s. w.
Die Wahl der Worte geschieht ebenfalls unter Vermeidung alles Abstrakten. Nahe- liegendes und Volkstümliches begegnet uns in neuer Beleuchtung und Gefühlsbetonung. Man denke an den Wortschatz der Goetheschen Balladen: Schwatzen, Schmausen, Pappeln, Stottern,


