Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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liegende Empfindung zur aktiven oder spontanen Komik gehört. Wie jedes über- schwengliche, von einem Gefühl volle Herz sucht auch das von überfliefsender Lebensfreude ge- tragene sich in einer Sprache Luft zu machen, die zum Mittönen und Miterleben veranlafst. Wenn freilich im Humor der Volkslieder, der Goetheschen und Heineschen Lyrik, der Studenten- und Trinklieder Baumbachs, in den Schelmen und Spielmannsliedern alter und neuer Zeit die spezifisch komische Empfindung nicht so deutlich und greifbar ist, so kommt das daher, daſs das Objekt hier wie in der Lyrik überhaupt in der Darstellung zurücktritt. Die Anschaulichkeit, die schon in der epischen Dichtung der dramatischen gegenüber eine imaginäre oder negative ist, ist fast null geworden. Immerhin wird der jeder Komik zu Grunde liegende Kontrast leise ange- deutet: die äufsere Not und Verlegenheit des Spielmanns kontrastiert mit seinem ungebundenen und leichtfertigen Sinn, die anscheinend nur der Natur oder dem Frühling geltende Empfindung des Lyrikers mit seinem Liebeskummer u. s. w.

Die wichtigste Form des humorhaften Stils ist die epische. Die ihr zu Grunde liegende komische Empfindung ist perzeptiver Art. In ihr erst kommt die Phantasietätigkeit des Dichters zu ihrem vollen Recht. Der epische Stil hat nicht das Zwingende und Augenblicklich fortreifsende des lyrischen. Er beruht nicht auf einem Drang nach Aufserung, einem Sich-frei-machen von übermächtigem, innerem Drang, sondern auf einer gewissen Lebens- betrachtung und Darstellung. Der epische Stil bietet nun alle Vorteile für das Zustandekommen einer humorhaften Stimmung. Wir sind viel eher geneigt, als Zuschauer einem heiteren Spiel beizuwohnen als uns mit dem Lyriker zum eigenen Mittun fortreiſsen zu lassen. Dazu ist der epische Stil wie geschaffen. Seine anscheinende Neutralität und Objektivität bietet ein gutes Versteck für jenes Lachen aus dem Hinterhalt, das wir als ein Haupt- kennzeichen des Komischen erkannt haben. Er geht ruhig, scheinbar trocken und un- befangen dahin und gibt uns das Gefühl behaglicher Sicherheit. Er ist anschaulich und bietet uns bei seiner Breite und Ausführlichkeit bessere Gelegenheit als der dramatische, auch die Vor- züge des Kleinen und scheinbar Wertlosen zu sehen. Wohl verfolgt auch er seine Ziele, nämlich ein harmonisches Ganze in einer subjektiven, Lebensfreude atmenden Beleuchtung vor uns ent- stehen zu lassen; aber er ist nicht aufdringlich. Er belehrt uns, ohne die Absicht zu verraten, auf eine freundliche, wohlwollende Weise. Vor allen Dingen ist der epische Humor frei von Pathos, er gibt sich naiv. Wo Pathos vorhanden zu sein scheint, stellt es sich immer nur als ein Deckmantel heraus, hinter dem der Schelm lacht. So stellt sich durch den epischen Stil all- mählich mittönend eine Lebensfreude ein, die deutlicher als beim lyrischen Stil auf ein Objekt gegründet ist.

Von einem dramatischen Stil endlich werden wir dann reden, wenn die Darstellung zur Erzielung einer gewissen Spannung hinarbeitet. Ihm liegt in unserem Falle das zu Grunde, was wir Witz nennen. Der witzige, pointierte Stil ist viel mehr als der humorhafte der Lyrik und Epik für den Hörer oder Leser berechnet. Der lyrische Humor vergnügt sich an sich selbst, der epische am Objekt, der Witz aber am Spiel mit anderen komisch empfindenden Sub- jekten. Er erregt künstliche Erregung des Interesses auf eineln Gegenstand und bewirkt durch plötzliches Abbrechen der Gedankenreihe und eine Wendung nach einer anderen Seite eine Spannungsentladung. Er bevorzugt die dialogische Form, weil hier die beiden Gedankenreihen am unmittelbarsten aneinander stofsen und doch zueinander