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die komische Kunst auf die Rätsel des Daseins hinweist, wird immer eine heitere sein. Wohl kennt sie den ernsthaften Hintergrund des Lebens, wohl gibt sie die Wichtigkeit ernsten Strebens und Kampfes zu, sie betont aber in erster Linie die Möglichkeit und Notwendigkeit, das Böse mit Gutem zu überwinden. Der Kaufmann von Venedig, das Wintermärchen, der Sturm sind Lust- spiele mit ernsten Ideen, aber heiterer Lösung.
Die Erweiterung des Gesichtskreises gibt uns aber nicht nur moralische Befriedigung bei Betrachtung der Dinge. Die Neuheit der Beleuchtung setzt auch unsere Phantasie in Tätigkeit. Der Reiz der Uberraschung kommt hinzu. Da wir leicht geneigt sind, das, was wir wünschen, auch als wirklich anzunehmen, so täuschen wir uns mit dem Künstler gern über die Schattenseiten des Lebens hinweg. Wir folgen ihm gern ins Märchenreich, wo er uns nur Gutes zeigt. Der Zug zum Märchenhaften, der der komischen Kunst so eigen ist, liegt darin begründet, dafs wir uns an Dingen, die wir sonst zu achten, zu verehren, zu fürchten gewohnt sind, spielend erfreuen können. Der Märchenkönig mit Krone und Scepter ist uns menschlich näher gerückt. Wir betrachten die Welt gleich Kindern als nur zum Spiel gemacht.
Dieser Reiz, mit den Dingen, die sonst ernst oder trocken sind, zu spielen ist wohl der wichtigste Zug des komischen Kunstgenusses. Wir nehmen teil an dem„holden Leichtsinn“, der allen grofsen Humoristen, Goethe vor allem, so eigen ist. Das Lob des Leichtsinnes aus dem Munde des Pfarrers in Hermann und Dorothea entspricht seiner und des Dichters humorhafter Weltbetrachtung. Lustige Einfälle und Geniestreiche machen wir alle gern mit. Komödien, die auf einem Streich ihre Handlung aufbauen, sind interessanter als solche, bei denen nur der äuſsere Zufall die Verwicklungen schafft. Der Humor der Schelmen- und Spielmannsdichtung, der Studenten- und Volkslieder zeigt diesen„glücklichen Hang“, diese Auf- fassung des Lebens als eines Spiels sehr deutlich.
In den einzelnen Künsten spielen noch manche andere Hilfsmittel mit. Es sei z. B. die subjektive Meinung und der freundlich belehrende Ton in der Epik erwähnt. Gerade durch diese subjektive Färbung wird ein Bericht, gleichviel ob er Erfundenes oder Wahres wieder- gibt, erst zu einem Kunstwerk. Die Erzählung des Epikers ist nur scheinbar objektiv. Wir sehen die Dinge mit seinen Augen, und das bildet einen Hauptreiz. Ganz besonders aber macht es Freude, gerade durch dieses subjektive Bindeglied die Dinge uns näher gebracht zu sehen, wie Kinder belehrt und klüger zu werden, ja nun wieder andere belehren zu können. Wie freundlich droht uns der Dichter aus seinem Versteck mit dem Finger:„Wenn Euch, ihr Kinder mit ernstem Gesicht, ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht, so horchet und folget ihm pünktlich“. Tritt freilich der lehrhafte Ton zu sehr hervor, so verfliegt der Humor, und es bleibt nur ein hohles Pathos, der Todfeind jeder humorhaften Weltbetrachtung, übrig.
So können wir den Humor des Künstlers unmittelbar an seiner Quelle mitgeniefsen, indem wir seine Weltbetrachtung und sein Wollen mit- und nachempfinden. Wir können aber auch aus vielen Kunstwerken den Humor mittelbar schöpfen, nämlich in solchen, in denen der Künstler den dargestellten Persönlichkeiten Humor verliehen hat. Eine solche Objektivierung des Humors ist nur in der epischen und der dramatischen Dichtung möglich. Sie hat den Vorteil, uns die verschiedenen Arten des Humors, in die der Dichter den seinigen gewissermafsen zerlegt, empfinden zu lassen. Der Humor des Wirts in Hermann und Dorothea ist ein anderer als der des Pfarrers, der Witz eines Just in Minna von Barnhelm ein anderer als der eines Riccaut,


