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seinen Vorzügen. Ein abgetragener Schlafrock ist nichts weniger als ästhetisch, seine Beliebtheit im Hause des Wirtes, sein praktischer Nutzen für die Vertriebenen heben aber seinen Wert. Unsere Freude an den Personen und ihrem Tun überträgt sich auf die Sache. Der Besen und die Lumpenhülle im Zauberlehrling erhalten durch den Vergleich mit einem dienstbaren Geist, der aus bestimmten Gründen nur gehorchen, nicht befehlen kann, eine besondere Bedeutung. Die unheimliche Macht des Bösen wird uns nie unmittelbar vorgeführt. Ein Riccaut ist in Lessings Stück selbst nur ein unschädlicher Grofssprecher, der sich nur selbst schadet und lächerlich macht. Die Träger echten Humors, z. B. der Wirt und der Pfarrer in Hermann und Dorothea, erscheinen dagegen meist als sittlich wertvolle Persönlichkeiten. An Falstaff freilich ist sein Humor der einzig wertvolle Zug. Seine Bedeutung liegt eben allein darin, uns die Berechtigung und die Grenzen echter Lebensfreude aufzuzeigen. Auch Spiel und lustige Streiche haben ihr gutes Recht. Leichter Sinn und froher Mut ist etwas sittlich wertvolles. Das lehrt uns Shakspere wie Goethe. Freilich darf man das Leben nicht überhaupt und stets als ein Spiel betrachten. Für die Jugend mag es noch so sein. Falstaff, der den Ernst des Lebens gar nicht kennt, ist deswegen nicht bloſs eine humoristische, sondern noch viel mehr eine komische Persönlichkeit. Seine Fehler werden vom Dichter durchaus nicht beschönigt. Sie werden genau so wie etwa die des Apothekers bei Goethe durch Kontrastierung mit den wertvollen Zügen anderer Personen, also hier des jungen Hein⸗z und Pereys, deutlich hervorgehoben. Es ist ihnen aber durch die Komik ihre schädliche Spitze genommen.
Unsere zweite Bedingung, die komische Lust müsse zu ihrer ästhetischen Form eine ge- wisse Reinheit aufweisen, besagt nichts anderes, als dafs auch wir den Dingen ohne Vorurteil und fremde, selbstsüchtige Interessen entgegenkommen müssen. Schadenfreude auf sittlichem Gebiet, Lust am eigenen Ich, am Verkleinern der Dinge, ist ausgeschlossen. Von allen Arten der komischen Empfindung zeigt der Humor die reinste Form. Beim Witz haben wir es häufig mit einem Spiel zu tun, in dem sich die Lebensfreude mit der Freude an der Erreichung persönlicher und ernsthafter Interessen mischt. Der Witz, die Ironie, die Satire werden deswegen in der Asthetik des Komischen mehr die Rolle eines Mittels spielen, während der Humor geradezu in den Mittelpunkt der künstlerischen Stimmung treten und seine Darstellung darum Selbstzweck werden kann. Echten Humor durch ein Kunstwerk zu verschaffen, ist freilich eine Aufgabe, die unendlich schwieriger ist als etwa die Tragik des Lebens aufzuweisen. Es ist kein Zufall, dals die Dichter sich zuerst in Tragödien versuchen. Zum reinen Lebensgenufs gehört immer eine gewisse Reife.
Nachdem wir die Möglichkeit und das Ziel der Asthetik des Komischen kennen gelernt haben, fragen wir nach den Mitteln, die der Künstler zur Erreichung seiner Zwecke ver- wenden kann.
Reine Lebenslust und Freude zu einem Spiel mit den Dingen können entweder unab- hängig von Objekten mittönend oder durch Darstellung von solchen objektiv in uns erzeugt werden. Das erste geschieht vor allem dadurch, dafs der Künstler uns den ihm selbst eigenen Humor unmittelbar mitgenieſsen läfst. Wir nehmen an seiner persönlichen spielenden Welt- betrachtung teil. Der Humor ist dann die Grundstim mung, die durch sein Werk geht oder in ihm liegt.
Diese wird uns auf verschiedene Weise vermittelt. Erstlich durch den Standpunkt,
Friedrichs-Realgymn. 1904. 4


