Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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uns in die Rätsel des Daseins blicken lassen. Daher wird bei den absonderlichen Vorgängen das stoffliche, bei den alltäglichen mehr das persönliche Interesse vorwalten.

Dieses persönliche Interesse ist das dritte Moment, das wir am Kunstwerk unterscheiden können. Jedes Kunstwerk setzt den lebenswahren und typisch gestalteten Stoff in eine Beziehung zum genielsenden Ich. Es gefällt und erscheint uns schön. Von einem interesselosen Wohlgefallen in dem Sinne, daſs uns der Stoff persönlich gleichgültig ist und zu unserem wollenden Ich keine Beziehung hat, kann keine Rede sein. Im Gegenteil, unser ganzes Wollen ist in der Gestalt der Aufmerksamkeit und Spannung im Kunstobjekt kon- zentriert. Es bleibt keine Rücksicht auf andere materielle Dinge mehr übrig. Das Kunstwerk, das auf uns vollen Eindruck macht, kommt unseren Neigungen und Wünschen auf eine Zeit voll und ganz entgegen. Wir füllen unsere Empfindungen soweit in dasselbe hinein, daſs wir uns zuletzt mit ihm eins fühlen. Es ist der Drang nach einem mühe- und schmerzlosen Miterleben eines wertvollen Inhaltes, der jedem Kunstgenuſs zu Grunde liegt. Wir wollen teilnehmen an einer schönen und harmonischen Welt, teilnehmen am Glück und am sittlichen Sieg anderer. Der Stachel des Leides wird uns genommen, sofern wir nun seine Be- deutung und Notwendigkeit einsehen und es überdies nicht selbst direkt, sondern nur mittönend empfinden. Jedes Kunstwerk ladet zu einer inneren Nach ahmung eines Erlebnisses ein, das der Künstler vor uns durchmachte, das er isolierte und durch eine Umformung wertvoll und typisch gestaltete. Miterleben, mitfreuen und genieſsen, mitleiden und siegen, das ist das Wesen aller Kunst.

Von hier aus können wir die Frage nach der Asthetik des Komischen etwa wie folgt be- antworten:

Die Komik, die eine Lebenserscheinung wie jede andere ist, besitzt an und für sich keinen ästhetischen Wert. Sie gefällt uns, wie uns das Leben überhaupt gefällt. In der Lust der komischen Empfindung haben wir es mit der Lebensfreude im allgemeinen zu tun. Eine Asthetik des Komischen ist aber sehr wohl möglich. Das Komische kann von der Kunst nicht nur als Mittel verwendet werden, es kann auch Selbstzweck für sie sein. Die Bedingungen und Forderungen hierzu haben wir eben festgestellt: Von einem ästhetischen Wert des Komischen werden wir erst reden dürfen, 1) wenn die Dinge in der Welt so dargestellt werden, dafs wir ein Recht haben, uns an ihnen zu freuen, d. h. wenn uns die Komik einen Sinn, eine Harmonie offenbart und 2) wenn die ausgelöste Empfindung eine positiv begründete und reine Lust enthält, d. h. wenn sie mittönender und nicht egoistischer Art ist.

Wie kann nun die Komik einen Sinn, eine Harmonie offenbaren? Die Ant- wort lautet: Indem sie die Oobjekte in Verbindung mit anderen, auch aufser ihr bestehenden sittlichen oder praktisch wertvollen Begriffen bringt. Sie zeigt uns an einem konkreten Einzelfall. wie das Gute und Wahre auch ohne ernsten Kampf, ohne bitteres Herzeleid bestehen kann. Viele Aufregungen, die wir uns machen, sind unnötig bei ein wenig Überlegung und Herzensgüte.

Wir müssen und können den Dingen oft wie zu einem spiele bereit gegen- überstehen. Dann verliert das Häfsliche und Abstofsende seine Macht. Denken wir an die Erziehung des Apothekers in Hermann und Dorothea, so ist es natürlich und höchstens bedauerlich, wenn er viele Mängel und Eigenheiten hat. Sie erscheinen aber gering und verblassend neben