Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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Dieses Festhalten geschieht zunächst dadurch, dals er alles, was den betreffenden Lebens- ausschnitt mit dem ganzen Verlauf verbindet, wegläfst. Der Bildhauer abstrahiert von den Farben, der Maler vom Raum u. s. w. Der Dichter verzichtet sogar ganz auf die sinnliche Anschauung. Im Drama wird sie ihm nur durch eine andere Kunst, diejenige des Schauspielers und des Re- gisseurs, geliefert.

So bleibt denn im Kunstwerk nur ein Teil des wirklichen Lebens zurück. Es hat, als ein Ganzes betrachtet, keine Beziehung zur Wirklichkeit. Unser Interesse ist, sofern es ein rein künstlerisches ist, unabhängig von der wirklichen Existenz des Objektes. Die Kunst führt uns in die Welt des Scheines. Wenn wir diesen für Wirklichkeit nehmen, handelt es sich nur um eine IIlusion.

Durch seine Isolierung des Stoffes sind dem Künstler Vorteile, aber auch Aufgaben er- wachsen. Die Vorteile bestehen darin, dafs das, was das Charakteristische seines Objekts stören würde, wegbleibt. Das Hälsliche, das Bittere u. s. w. hat nur soweit Geltung, als es den Gesamt- eindruck nicht hindert. Die Aufgaben des Künstlers sind dagegen, nun mit anderen Mitteln das, was das Leben zeigt, zu ergänzen, d. h. die Illusion der Wirklichkeit zu erzeugen. So schafft der Maler durch Beachtung der Perspektive und der Licht- und Schattenverteilung auf der zwei- dimensionalen Fläche die Raumvorstellung. Der Dichter hat die schwierigste Aufgabe zu erfüllen. Er hat durch Worte Gesichts-, Gehör- u. s. w. Vorstellungen zu reproduzieren und seelische Vor- gänge voluntaristischer Art hervorzurufen.

Die Mittel, welche der Künstler zur Erzielung der künstlerischen Illusion wählt, nehmen also Rücksicht auf die associative Mitwirkung desjenigen, der sein Werk betrachtet und genieſst.

Um nun seinen Stoff nicht nur als einen lebenswahren, sondern auch als einen charakte- ristischen und bedeutungsvollen erscheinen zu lassen, hat der Künstler noch ein anderes mit ihm vorzunehmen: Er hat ihn abzurunden. Jedes Kunstwerk stellt den aus dem Leben gegriffenen Stoff in einer Umformung dar, welchen er durch die Phantasie des Künstlers erhält. Die Kunst fängt, so kann man sagen, erst hier an. Das Leben wirkt nur anregend. Die Hauptsache ist die schöpferische Tat des Künstlers. Dieses Schaffen kann freilich keinen neuen Stoff, d. h. ein ganz neues Empfindungssubstrat liefern. Das Transscendente und Metaphysische kann auch die Kunst nur(vielleicht in einem höheren Grade) ahnen lassen. Das Schöpferische besteht vielmehr lediglich in der Formung, d. h. einer anderen Gruppierung des Stofflichen unter Berücksichtigung der Gesetze der Vorstellungsreproduktion. Allerdings können dann durch diese Gruppierung tiefe Empfindungen ausgelöst werden, die uns neu er- scheinen.

Die Abrundung und Gruppierung des Stoffes läuft nun darauf hinaus, den Einzelvorgang oder Zustand einheitlich und in sich geschlossen darzustellen. Er erhält einen Sinn, d. h. die Harmonie eines selbständigen Ganzen und erscheint uns nun als ein typ ischer Fall des Lebens. Was im Leben nur Mittel war, wird nun Selbstzweck und damit interessant

Diese Abrundung zu einem typischen Bild des Lebens, zu einem Beseelten, wird dadurch erreicht, dals Vorstellungen hinzugefügt werden, die der kausale Erfahrungszusammenhang als möglich zuläſst. Auch der Märchendichter kombiniert nur im Reiche des Zufalls, den unsere Sinne nicht ausschlieſsen. Die Umformung richtet sich danach, ob der Künstler absonderliche und seltene, oder ob er alltägliche Lebensvorgänge zum Vorwurf seines Werkes wählt. Er will