Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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des komischen Objekts wegen die Zugehörigkeit zur Ästhetik ganz ab. In unseren Tagen be- sonders bemüht man sich, die Abtrennung des Komischen von der Asthetik wissenschaftlich zu begründen und die Bedingungen festzustellen, unter denen es allein ästhetisch wirken könne. Die einen betonen, dafs die komische Lust nur eine solche am spielenden Gelingen einer seelischen Tätigkeit sei. Damit sie zu einer ästhetischen, d. h. einer Lust am Objekt werde, müssen Werte, die auch aufser ihr bestehen, in sie eingehen. Das sei aber nur beim Naiven und beim Humor der Fall. Andere, die das Wesen der Kunst in einer inneren Nachahmung seelischer Vorgänge sehen, wollen nur ein Stadium der komischen Empfindung für die ästhetische Wirkung in An- spruch nehmen. Nur in dem Stadium, das zwischen Verblüffung und Erleuchtung liegt, ahmen wir, so sagen sie, ein Denken oder Wollen des komischen Objektes nach. Eine dritte Gruppe sucht durch eine mehr biologische und entwicklungsgeschichtliche Betrachtungsweise die Grenzen zwischen der aufserästhetischen und der ästhetischen Komik als fluktuierende hinzustellen. Die komische Kunst stelle nur eine Verfeinerung und Vervollkommnung eines natürlichen Spiels zweier Parteien dar. Das Lustspiel sei danach nur eine höhere Stufe in der Ausbildung des Variétés.

Bei allen Erörterungen handelt es sich offenbar um eine verschiedene Auffassung des Begriffs des künstlerischen Werts. Nur die auf ihm beruhende Lust dürfen wir ästhetisch nennen. Die Frage ist also für uns: Kommt der Komik künstlerischer Wert zu, und wie ge- schieht das?

Die Komik kann, wie alle Lebenserscheinungen, nach sehr verschiedenen Wertgesichts- punkten beurteilt werden. Sie hat praktischen Wert, d. h. sie ist Mittel zum Zweck der Gesundheiterhaltung des Körpers, zur Entdeckung einer Wahrheit. Sie kann Dinge interessant machen, den Wert der Persönlichkeit heben. Sie hilft Standesunterschiede ausgleichen u. s. w. Sie hat aber auch Eigenwert, d. h. sie ist auch ein Selbstzweck der Natur. Spiel und Spielbereitschaft gegenüber dem Ernst des Lebens kann unter Umständen so gut eine Forderung sein wie Gerüstetsein in Waffen. Solcher Forderungscharakter kommt aber nur den logischen, den sittlichen und den ästhetischen Werten zu. Was logischer und was sittlicher Wert ist, darüber pflegen die Meinungen nicht allzu sehr auseinanderzugehen. Dals die Komik je nach dem Grade des Verstandes, des Wahrheitsgehaltes verschiedenen logischen Wert hat, dafs sie ferner je nach der Gesinnung, die ihr zu Grunde liegt, verschiedenen sittlichen Wert hat, darüber herrscht im allgemeinen kein Zweifel. Wie steht es aber mit dem ästheti- schen Wert?

Wollen wir eine Entscheidung treffen, so werden wir zuvor den Begriff der Kunst oder des Kunstwerks mit ein paar Strichen bestimmen müssen.

Wir können beim Kunstwerk etwa folgende Momente unterscheiden:

Es stellt erstlich einen lebenswahren und bedeutungsvollen Stoff in einer gewissen Isolierung dar. Jeder Künstler muls in erster Linie Welt- und Lebenskenner sein. Der Maler besitzt einen scharfen Blick für die Farben und ihr Zusammenstimmen, der Bildhauer für die Formen und ihre Verhältnisse; der Komponist hat ein feines Gehör für die Töne und ihre Unterschiede nach Höhe und Klangfarbe; der Dichter endlich erlebt die seelischen Vorgänge mit, die hinter gewissen Situationen und Handlungen liegen. Vermöge dieser subjektiven, persönlichen Fähigkeit ist der Künstler imstande, in dem vollen und ewig wechselnden Leben ein charakte- ristisches Stück zu bemerken und festzuhalten.