erkennbar. Wo die Erkenntnisfunktion vorwiegend beteiligt ist, wird die Komik mehr den Charakter des Witzes annehmen, wo die Willensseite mehr in Betracht kommt, wird man von Humor sprechen. In Zeiten oder in Kreisen, wo gewisse Gegenstände schon an sich einen Reiz haben, werden diese gern Objekte des komischen Spiels. Der Wert des Spiels hängt endlich sowohl vom Gegenstand als auch vom geistigen Niveau des Spielenden ab. Je mehr uns die Komik ein Recht und einen Grund aufzeigt, uns am Leben zu freuen, und je gröſser die Verstandes- und Herzens- bildung des Spielers sich erweist, desto höher steht der Wert des Spiels. Fassen wir zusammen, so werden wir sagen: Die Komik ist weder einseitig ein Wissen, noch eine Tugend, noch eine Weltanschaung. Sie ist vielmehr ein Willenshabitus, der sich entweder in einem vorübergehenden Lustgefühl oder einer mehr dauernden Stimmung äuſsert: Sie ist eine Spielbereitschaft oder ein Spiel unseres Ich. Als ein solcher Willenshabitus ist sie eine notwendige Funktion unseres Organismus. Das zeigt schon ihr günstiger Einfluls auf den Körper. Im Gegensatz zu den Bewegungsspielen ist sie zugleich das natürlichste und ursprünglichste aller geistigen Spiele, für das in erster Linie jenes Wort gilt: Wir sind erst da voll und ganz Menschen, wo wir spielen.
Es erübrigt noch, ein Wort über die einzelnen Stadien des Aktes oder Verlaufs der komischen Empfindung ein Wort zu sagen. Man hat sie unterschieden als 1) Ver- bläffung oder Choc, den unser Bewulstsein von aufsen erfährt, 2) Erleuchtung oder Gegenchoc und 3) komische Reaktion. Für uns ist wichtig, festzustellen, dals das Reihenbilden im Vor- stellungs- oder Empfindungsverlauf unterbrochen wird. Dadurch wird die Aufmerk- samkeit wach, d. h. der Wille wird von der Verfolgung eines Ziels ab und auf ein anderes hin- gelenkt. Die Zeit von der Unterbrechung des Willens und Strebens nach dem einen Ziel bis zur Erlangung des anderen ist das Stadium der Verblüffung. Die Erreichung des zweiten ist die Er- leuchtung. Sie allein ist von Lust begleitet. Die Löôsung der Spannung oder komische Reaktion bedeutet schon ein Verklingen der Lust. Dafs beim Zustandekommen der komischen Empfindung das Unbewuſste eine Rolle spielt, ist wahrscheinlich. Es scheint besonders bei der Psychologie des komischen Einfalls in Betracht kommen.
III. Asthetik des Komischen.
Im folgenden mögen noch einige Bemerkungen über die ästhetische und die praktische Be- deutung des Komischen ihren Platz finden.
Nirgends sind die Meinungen so auseinandergegangen wie bei der Frage, welche Rolle dem Komischen innerhalb der Kunst zukommt. Die einen sehen in ihm schon an und für sich eine Form der ästhetischen Betrachtungsweise der Dinge, die nur nach ihrem Wert Abstufungen auf- weist. Im Komischen, so meinen sie, wird dem Hälslichen und Unsittlichen ohne weiteres sein verletzender Charakter genommen. Andere stellen unseren Begriff, allerdings in der eigentümlichen Form der lronie, geradezu in den Mittelpunkt der Kunst. In der vernichtenden Kraft, die ihm innewohnt, bekundet sich nach ihrer Meinung das innerste Wesen des Genies, das sich über die Gesetze des Verstandes und der Wissenschaft stellt. Während die Wissenschaft objektive und feste Tatsachen bringt, ist die Kunst ein rein persönliches Erzeugnis und Tun des Subjekts. Wieder andere sprechen freilich der Komik gerade um dieser Subjektivität, sowie der Minderwertigkeit


